Donnerstag, 7. Juni 2012

Autoreninterview mit Andrea Tillmanns, Autorin von "Mimis Krimis" und "Tod im Wasser, ein Aachener Krimi"

1. Wie kamst du zum Schreiben?

Angefangen hat alles bei einer Lesung von Hera Lind in meiner Heimatstadt Grevenbroich: Ich erwähnte gegenüber einer Freundin, mit der ich dort gewesen war, dass ich es mir spannend vorstellte, Bücher zu schreiben, herumzufahren und daraus vorzulesen … woraufhin sie trocken entgegnete, dann solle ich erst mal ein Buch schreiben, über den Rest könnten wir später noch reden. Da blieb mir ja kaum etwas anderes übrig, als erst mal ein Buch zu schreiben - das allerdings erst viele Jahre später und unter einem Pseudonym erschienen ist, da es noch viele autobiographische Teile enthält und sich zu viele Freunde und Bekannten wiedererkennen könnten, wenn mein Name damit in Verbindung gebracht würde.
Nach diesem ersten heiteren Frauenroman folgten zahlreiche Kurzgeschichten in den verschiedensten Genres und schließlich weitere Romane, die ebenfalls in den unterschiedlichsten Genres angesiedelt sind.


2. War es schwierig, einen Verlag für die Veröffentlichung deines 1. Buches zu finden?


Ich hatte das Glück, für dieses Manuskript einen Agenten zu haben – das erleichtert die Verlagssuche deutlich und erspart einem vor allem das immer wieder neue vergebliche Hoffen, wenn man einen Brief oder eine Mail von einem der angeschriebenen Verlage bekommt. Ich konnte das Manuskript eine Weile komplett vergessen und mich auf die nächsten Projekte konzentrieren, bis irgendwann eine Mail meiner Agentur kam, dass der Roman bei Wartberg erscheinen werde.


3. Hast du irgendwelche Tipps für angehende Autoren?


Ich lese oft, dass angehenden Autoren empfohlen wird, vor allem viel zu lesen – das ist in meinen Augen nur die halbe Wahrheit. Ich habe immer viel gelesen, einige tausend Bücher schon vor der Einschulung und auch danach immer so viele wie zeitlich möglich. Dennoch habe ich beim Überarbeiten des ersten Romans mit einigen Jahren zeitlichem Abstand gemerkt, wie schlecht das Manuskript sprachlich war. Und auch jetzt, wo meine ersten Einzelveröffentlichungen schon etliche Jahre her sind, merke ich beim Lesen alter Manuskripte immer wieder, dass mir manches nicht mehr gefällt. Das mag damit zu tun haben, dass man sich mit zunehmendem Alter einfach menschlich weiterentwickelt; ich denke aber vor allem, dass man Schreiben eben nur durch Schreiben lernen kann und es daher am allerwichtigsten ist, wenn angehende Autoren schreiben, schreiben und nochmal schreiben. Und nicht verzweifeln, wenn die ersten Geschichten nicht sofort gedruckt werden. Die nächsten werden besser werden, und irgendwann findet man das erste Mal den Weg in eine Anthologie o. ä.


4. Hauptberuflich bist du tätig als Dipl. Physikerin. Wann kommst du dann zum Schreiben? Du hast 
    ja noch andere Hobbies, wie z. B. Fotografieren? 
 
Das ist in der Tat sehr schwierig. Zum Schreiben gehört ja nicht nur das reine Schreiben eines belletristischen Textes, sondern für die meisten Autoren auch Werbung für die aktuellen Werke, Lesungen, Buchmessen usw. Ich versuche, möglichst viel davon sonntags zu erledigen, wenn ich meist etwas Zeit habe; alles andere wird irgendwann abends zwischen Job, Sport und anderen Terminen eingeschoben.
Wenn ich an einem Roman arbeite, kommt darüber leider besonders der Sport häufig zu kurz; für die weniger kreativen bzw. leichter unterbrechbaren Tätigkeiten bleibt aber meist doch ein halbes Stündchen am Tag übrig.


5. Kannst du uns über ein lustiges oder skurriles Erlebnis bei einer Lesung berichten? Alternativ 
    ein lustiges/skurriles Erlebnis mit einem Fan?
 
Nicht nur skurril, sondern schon erschreckend finde ich manchmal die Reaktion von Kindergartenkindern, wenn man ihnen Geschichten vorliest - manche Kinder wirken dabei so, als wären sie völlig irritiert über diese Idee, dass ihnen jemand etwas vorliest. Und wenn man anschließend die Erzieherinnen fragt, hört man, dass das zutrifft und die jeweiligen Kinder tatsächlich von ihren Eltern niemals Geschichten vorgelesen bekommen - für jemanden aus meiner Generation, der mit Büchern aufgewachsen ist und weiß, wie sehr sie das Leben eines Kindes bereichern, kaum vorstellbar.
Wirklich lustig war dagegen beispielsweise die Lesung auf der HomBuch vor einigen Wochen gemeinsam mit Petra Hartmann, die aus ihrem personalisierbaren Kriminalroman "Die Schlagzeile" las und vorher die Zuhörer aufgefordert hatte, der Protagonistin einen Namen, Haar- und Augenfarbe, einen Wagen usw. zuzuordnen - und die nun während der gesamten Lesung darauf achten musste, die Namen und Adjektive in ihrem Buch entsprechend auszutauschen. So aufmerksame Zuhörer hat man nicht bei jeder Lesung ;-)


6. Welche Schriftstellerin würdest du gerne treffen und was würdest du sie fragen?

Ich würde z. B. Brigitte Glaser gerne nochmal treffen, nachdem ich nun all ihre Krimis verschlungen habe (beim ersten Treffen kannte ich noch keinen ihrer Romane). Da mir ihr Schreibstil sehr gut gefällt, ich aber auch gemerkt habe, dass die Romane mit der Zeit sprachlich immer besser geworden sind, würde ich sie gerne fragen, wie lange sie schon schreibt und ob die ersten Werke sprachlich schon ähnlich waren - oder ob sie ihre ersten Manuskripte ebenfalls nicht mehr so richtig mag.


7. Was hast du mit Sirka Ehrenpreis (das ist die Ermittlerin aus "Tod im Wasser" gemeinsam?

Vieles - vor allem die Neugier und die Anfälligkeit für Fettnäpfchen ... und wohl auch eine gewisse Sturheit, wenn es darum geht, Ziele zu erreichen, die auf den ersten Blick unerreichbar scheinen. Aber das muss man wohl auch als Autor.

8. Deine neuesten Bücher - Mimis Krimis - sind als E-Book erschienen. Warum nicht in 
    gedruckter  Form?

Der Verlag Satzweiss veröffentlicht zur Zeit ausschließlich E-Books, das war also die Entscheidung des Verlages.
Und ich finde es gar nicht verkehrt, solche kurzen Geschichten mal testweise in elektronischer Form zu veröffentlichen. Während ich für Romane immer noch gedruckte Bücher bevorzuge, lese ich inzwischen gerne mal eine Kurzgeschichte zwischendurch auf dem Laptop.
Andererseits spielen in meinen Cosy-Krimis viele reale Personen mit, die überhaupt keinen Computer besitzen oder zumindest nicht wissen, was ein E-Book ist – für diese Menschen (und sicherlich auch viele andere, die einfach gedruckte Bücher bevorzugen) wäre eine zusätzliche Papier-Ausgabe natürlich schön.


9. Verrätst du uns was über dein neuestes Projekt oder ist das super streng geheim?


Als nächstes soll eine Sammlung von Kindergeschichten erscheinen, wiederum im Iatros-Verlag, wo bereits die Phantastik-Romane für Kinder „Lena lernt zaubern“ und „Erik im Land der Drachen“ veröffentlich wurden.
Dann folgt im Herbst das nächste Kindergarten-Praxisbuch im Dreieck-Verlag, diesmal zum Thema Insekten - daran arbeite ich gerade, da der Einsendeschluss immer näher rückt.
Und schließlich folgt Ende des Jahres der erste Band einer Grusel-Reihe für Mädchen im Südpol-Verlag.
Ab August werde ich, davon abgesehen, hoffentlich wieder etwas mehr Zeit haben, um den Zülpich-Krimi zu beenden, der für den Jacques-Berndorf-Preis nominiert war und für den ich schon einen Interessenten habe - und das möglichst zügig, da in meinem Kalender schon die ersten Einsendeschlüsse für 2013 stehen ...

10. Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

"Die Grünen Piraten - Jagd auf die Müllmafia" von Andrea Poßberg und Corinna Böckmann, erschienen ebenfalls im Südpol-Verlag, der demnächst auch meine Grusel-Reihe veröffentlichen wird. Ein gut geschriebenes, spannendes Buch für Kinder zu einem sehr aktuellen Thema.

Vielen Dank, liebe Andrea, für das interessante Interview! Ich bin total gespannt auf weitere Veröffentlichungen von dir!

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