Samstag, 30. Juni 2012

Autoreninterview mit Anja Ollmert, Autorin von "Aoife"

 Als "Inselfan" musste ich natürlich Anja Ollmert einige Fragen zu "Aoife" "gesprochen "Iwi" und Irland stellen. Sie hat mir netterweise ausführlich geantwortet.



1. Wann hast du angefangen zu schreiben?
Meine Mutter war mir bei der Verwendung der Schriftsprache ein echtes Vorbild. Schon immer hat sie viel gedichtet und seitenlange „Bierzeitungen“ verfasst, wie man das in den 1970er Jahren nannte. Da mag es nicht verwundern, dass ich selbst kleine Gedichte schrieb, ehe ich die Rechtschreibung halbwegs akzeptabel beherrschte. Eines dieser Gedichte, das ich meinem Vater zu einem Geburtstag schenkte, existiert sogar noch. Heute - wie damals vermutlich auch - gibt es Anlass zur Belustigung. Als Jugendliche schrieb ich Prosagedichte, in denen sich die passende Seelenverfassung der Pubertät widerspiegelte. „Aoife“ schrieb ich nach einer Reise im Jahr 1999, doch auch nach mehrmaliger Überarbeitung hat sich das, was ich damals damit erreichen wollte, nicht grundlegend verändert.

2. Wie kamst du zum AAVAA-Verlag?
Zum AAVAA Verlag kam ich durch den Hinweis von C.M. Singer, die dort ihre Trilogie „…Und der Preis ist dein Leben“ unterbringen konnte. Wir haben uns im vergangenen Jahr über das Internet kennengelernt und angefreundet. Ihr verdanke ich also, dass sich nach Jahren die Möglichkeit ergab, für „Aoife“ einen Verleger zu finden.

3. Hast du bestimmte Rituale fürs Schreiben?
Eigentlich nicht. Ich nutze jede Möglichkeit und freie Minute, die sich im täglichen Leben zum Schreiben findet. Da ich in recht umfänglichem Rahmen ehrenamtlich arbeite, ist diese Zeit häufig knapp bemessen, doch ein kleines Zeitfenster ergibt sich eigentlich immer. Und das wird dann bis zur letzten Sekunde genutzt.

4. Was hast du mit Aoife gemeinsam?
Also…, ich hätte gerne ihr rotes Haar, doch da hat die Natur leider nicht mitgespielt. Doch in jedem Fall teile ich ihre Liebe zu Büchern und zum Lesen an sich. Ich konnte schon als Kind völlig in eine Geschichte eintauchen und mich von der Faszination treiben lassen. Außerdem bin ich begeistert von allem, was die keltische Kultur in verschiedenen Ländern hervorgebracht hat. Das beginnt bei der Sprache und der Musik und endet eben bei Erzählungen über die keltische Lebensweise in so unterschiedlichen Ländern wie Irland, Schottland oder der Bretagne.

5. Was fasziniert dich an Irland?
Die Insel ist wirklich grün, und dieses Grün begegnet dem Betrachter in zahllosen Nuancen. Auch das Mystische dieses Landstrichs zieht mich immer wieder in seinen Bann. Doch das gilt ebenso für sein französisches und schottisches Pendant. Doch wer einmal durch Connemara gefahren ist und das Farbenspiel der ziehenden Wolken auf den kahlen Berggipfeln beobachtet, einen der wunderschönen Regenbogen oder die Abgründe der Cliffs of Moher gesehen hat, kann sich dem Zauber des Landes kaum entziehen. Auch die Begegnung mit den Iren, die immer freundlich und aufgeschlossen sind (hat man ja bei der EM gesehen, wie sehr man sich über ein Fußballspiel freuen kann, bei dem man aus dem Turnier ausscheidet) ist einfach schön. Der Ausspruch einer Zimmerwirtin bei meiner ersten Reise ist mir im Gedächtnis geblieben: „Lovely morning, no rain!“ Das steht für mich exemplarisch für die gute Laune der Iren.

6. Was muss man unbedingt gesehen haben, wenn man nach Irland reist?
Die Hauptstadt Dublin lockt in jedem Fall mit der sagenhaften Bibliothek im Trinity College und dem Book of Kells, einem alten Evangeliar mit keltisch geprägten Zeichnungen. Doch auch eine Besichtigung der Guiness Brauerei oder der Jameson Destillery kann ich nur empfehlen. Die Landschaft Connemaras, die Städte Clifden und Galway, die Cliffs of Moher und die Basaltlandschaft „The Burren“ gehören auf jeden Reiseplan. Wem man keinesfalls entgehen wird, wenn man mit dem Auto unterwegs ist, das sind die zahllosen Schafe, die sich auf Irlands Straßen tummeln und die das Bild des Landes auf ihre Art abrunden. Doch auch der Besuch eines traditionellen irischen Abends mit Musik und Tanz kann wirklich Spaß machen.
 
7. Teilst du uns deine irische Lieblingssage mit?
Ein Teil davon wird ja schon im Laufe meines Romans aufgegriffen, doch wie alle Länder verfügt Irland über weitaus mehr Sagen, als die  Geschichten der alten Kelten. Ich will daher ein Wort verlieren über eine Sage, die das christliche Irland geprägt hat.
Viele werden wissen, dass der heilige Patrick der Landespatron Irlands ist. Ihm sagt man nach, dass er mit seinem Bischofsstab und den Worten einer einzigen Predigt alle Schlangen aus dem Land vertrieben habe. Tatsächlich soll es seither in Irland keine natürlichen Giftschlangenvorkommen geben.
Symbolisch jedoch steht diese Geschichte eigentlich für das, was den heiligen Patrick bis heute überdauert hat: die Vertreibung dessen, was er für heidnisch und dämonisch gehalten haben wird. Irland ist und bleibt eine gelungene Symbiose der jahrhundertealten Überlieferungen der Vorfahren und einem bis heute deutlich sichtbaren und gegenwärtigen Christentum.


8. Könntest du dir vorstellen, so wie Aoife in ein anderes Zeitalter versetzt zu werden und dort zu leben?
Es wäre vermutlich eine große Herausforderung für  jemanden wie mich, der tagtäglich den Kontakt über Facebook hält und das Notebook als Arbeitsgerät nutzt. Doch ich denke, dass wir Menschen anpassungsfähiger sind, als wir selbst glauben. Wenn wir unser Leben weniger hinterfragen und uns einfach mit den Gegebenheiten zufrieden geben, dann könnte vermutlich auch ein solcher Zeitensprung gelingen.
Trotzdem möchte ich Aoife nur in meiner Fantasie begleiten und bin froh, im Hier und Jetzt zu leben. Ich glaube auch, dass Aoife vor allem ihre emotionale Freiheit den Umgang mit all dem Neuen erleichtert hat. Wenn man Menschen zurücklässt, die man liebt, dann stürzt man sich nicht leichten Herzens in etwas Unbekanntes.


9. Dein aktuelles Projekt ist "das Feentuch", das in Schottland spielt. Verrätst du uns etwas darüber?
Auch hier stütze ich mich auf eine alte Familiengeschichte, die sich um ein sagenumwobenes Tuch als Geschenk einer Fee rankt. Alles andere aber ist frei erfunden und natürlich bin ich selbst dem Laird der McLeods nie begegnet. Das Tuch jedoch, das den Kern meiner Geschichte bildet und ihre Ereignisse bestimmt, sah ich selbst in einem schottischen Schloss an der Wand hängen. Der Roman ist seit einigen Tagen fertiggestellt und wartet nun noch auf meine abschließende Überarbeitung. Dann mache ich mich erneut auf Verlagssuche.


10. Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?
Wie sollte es anders sein, handelt es sich um ein Buch, das ebenfalls in einem keltisch geprägten Land spielt. Ich lese gerade den Kriminalroman „Bretonische Verhältnisse“ von Jean-Luc Bannalec. Die Umgebung meiner Lektüre kenne ich von eigenen Besuchen sehr genau und bin mit den Gepflogenheiten der Schauplätze und Menschen vor Ort vertraut. Das ist auch beim Lesen sehr reizvoll.

Mehr über die Autorin erfahrt ihr unter http://anjaollmert.jimdo.com/ oder auf ihrer Facebookseite http://www.facebook.com/anja.ollmert.1

Vielen Dank, liebe Anja, dass du meine Fragen so ausführlich beantwortet hast. Ich wünsche dir ganz viel Glück bei der Verlagssuche und bin gespannt auf deinen neuen Roman!



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