Montag, 18. Juni 2012

Mein Autoreninterview mit der deutschen "Thriller-Queen" Petra Hammesfahr für den Krimikiosk

Foto © Petra Hammesfahr

Ich habe mich total gefreut, für den Krimikiosk die deutsche "Thriller-Queen" interviewen zu dürfen. Hier mein Interview:
Hat man als Bestseller-Autorin noch Zeit für Hobbys? Was liest eine Krimi-Autorin selbst gerne? Unsere Rezensentin Biggi Friedrichs hat diese und andere Fragen der deutschen "Thriller-Queen" Petra Hammesfahr gestellt und die Autorin war so freundlich, ihr darauf zu antworten. Aber lesen Sie selbst:

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Ich habe schon mit vier Jahren Geschichten erzählt, wollte mit fünf unbedingt "Schreiber" werden, den Ausdruck Schriftsteller oder Autor kannte ich damals noch nicht.
Nach dem ersten Schultag war ich bitter enttäuscht, weil ich nicht sofort schreiben gelernt hatte. Mit siebzehn habe ich dann den ersten Roman in Angriff genommen. "Der Engel mit den schwarzen Flügeln."
Ihre erste Kurzgeschichte wurde im Playboy veröffentlicht. Wie kam es dazu?
1989 hatte ich sieben fertige Romane, zwei halbe, zwei Kurzgeschichten und 159 Absagen - deshalb konnte ich die beiden halben nicht zu Ende bringen. Ich wusste einfach nicht, welchem Verlag ich die noch anbieten sollte. Es handelte sich um "Das Geheimnis der Puppe" und "Der stille Herrn Genardy".
Eine der beiden Kurzgeschichten brachte ich in einem kleinen Anthologie unter. Nachdem sie erschienen war, empfahl mir jemand, diese Geschichte an ein Männermagazin zu schicken. Zitat: "Die drucken so was gerne nach."
Das einzige Männermagazin, das ich kannte, war der "Playboy." Dort hatte man es sich jedoch zur Aufgabe gemacht - Zitat: "von deutschen Autoren nur unveröffentlichte Texte zu drucken." Nun, ich hatte ja noch eine zweite Kurzgeschichte. Die wurde genommen, und das war der Fuß, der mir die Tür aufgetreten hat.
Wie dürfen wir uns den Alltag einer erfolgreichen Autorin vorstellen?
Täglich von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr am Schreibtisch. Früher habe ich schon um 8:00 begonnen, hatte dann aber nachmittags einen Tiefpunkt. Mit der neuen Zeiteinteilung klappt es besser. Die restliche Zeit ist privat.

Wie sieht Ihre Recherchearbeit aus? Bekommen Sie Unterstützung von Gerichtsmedizinern, 
Kriminalkommissaren, etc. oder ist das eher schwierig?
Ich brauche nicht mehr großartig zu recherchieren. Das nötige Wissen habe ich mir schon vor Jahren angeeignet und halte mich durch Fachliteratur auf dem neusten Stand. 
Darüber hinaus sind mir die Schicksale der Opfer entschieden wichtiger als Ermittlungsarbeit. Und für die Opfer brauche ich nur meine Phantasie.
Ihre Geschichten spielen alle in kleinen Orten. Hat es einen Grund, dass keine Geschichte in der
Großstadt spielt?
 Ich bin in kleinen Orten aufgewachsen und finde das Miteinander in einem Dorf oder einer Kleinstadt viel ergiebiger für solche Geschichten, wie ich sie schreibe. Das Leben in einer Großstadt ist anonymer, entsprechend sind die Verbrechen. Es passiert zu viel, als dass sich jemand lange darüber aufregt.
Sie haben bereits einige Drehbücher geschrieben, einige Bücher von Ihnen wurden bereits
verfilmt. Dürfen wir in nächster Zeit wieder etwas von Ihnen im Fernsehen erwarten?
Ich glaube nicht. Bei den Produzenten bin ich nicht sehr beliebt, weil ich zu viel kritisiere. Aber ich finde nun mal, wer einen 400 Seiten Stoff in 90 Minuten quetschen will, sollte sich aufs Weglassen beschränken und nicht noch irgendwelchen Blödsinn dazu erfinden, dem dann noch mehr Romanstoff zum Opfer fällt.
Haben Sie während der Entstehungsphase eines Romans Zeit für andere Dinge, z. B. für ein Hobby 
oder bleibt dann dafür keine Zeit?
Schreiben ist mein Hobby und lesen natürlich, aber da bin ich auch sehr kritisch. Ich habe eben noch zwei große Bücherstapel in der Nachbarschaft verschenkt, bei den meisten steckte das Lesezeichen seit Jahren zweiten den Seiten 20 und 50.
Welchen Autoren/in würden Sie gerne mal treffen, und was würden Sie sie/ihn fragen?
Karl May. Ich würde ihn fragen, ob er bei Winnetous Tod auch so geweint hat wie ich zum Beispiel bei "Merkels Tochter" oder dem "Puppengräber".


Gab es mal es ein "besonderes" skurriles / witziges / aufregendes / Erlebnis während einer Ihrer Lesungen?
 Es gab mal einen "Zwischenfall", eine Dame verließ die Buchhandlung mit dem Hinweis: "Ich kaufe mir doch kein Buch, bei dem ich mitdenken muss."



Was liest eine erfolgreiche Krimischriftstellerin gerne?
Thriller, zuletzt "Blackout", das Buch habe ich verschlungen. Für mich müssen Handlung und Charaktere glaubwürdig sein, selbst wenn es sich um Mysterie handelt.



Einen Roman in welchem Genre dürfen wir von Ihnen niemals erwarten und warum?
Einen Liebesroman ohne Leichen. Das wäre mir einfach zu langweilig.




Verraten Sie uns etwas über Ihr neuestes Projekt?
Geht nicht, weil ich nicht weiß, wie lange es mein "neuestes Projekt" bleibt. Manchmal tut sich nach 200 oder 300 Seiten ein Loch auf, dann muss ich warten, wie aus den Untiefen die restlichen Seiten wachsen. Bis dahin beschäftige ich mich mit einem anderen "neuen Projekt". Ich habe genug davon im Hinterkopf oder in der Datei "neue Ideen".


Vielen Dank an Petra Hammesfahr für diese interessanten und ehrlichen Antworten, die einen kleinen Einblick in das Leben der Bestseller-Autorin geben durften.

Kommentare:

  1. Hallo Biggi,

    ein tolles und vor allem sehr interessantes Interview!

    LG Isabel

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  2. Liebe Isabel,

    vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Biggi

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