Samstag, 4. August 2012

Mein Interview für LiTeraMag mit Sylvia M. Dölger, Autorin von "Hinter deiner Tür, E-Book

Mein Interview mit Sylvia M. Dölger für das LiTeraMag

 LiTMag: Bitte stellen Sie sich kurz vor:

 S.M. Dölger: Ich bin 38 Jahre alt, Lehrerin an einer Berufsschule und unterrichte die Fächer BWL und Deutsch. Seit 4 Jahren lebe ich im schönen Unterfranken direkt am Main. Mit meinem Mann habe ich mir den Traum eines wunderschönen Eigenheims verwirklicht. Wenn ich nicht gerade mit meinem Mann reise oder durch die Gegend wandere, arbeite ich gerne im Garten oder schreibe. Mein Ziel beim Schreiben: die Leselust junger Menschen zu wecken.

LiTMag: Auf Ihrer Homepage steht, es ist nicht die Fassade, die sie reizt, sondern erst, wenn diese bröckelt, bleibe Ihr Blick haften. Wie ist das zu verstehen?

 S.M. Dölger:Ja, das ist sehr wichtig, da viele Menschen im Alltag Masken tragen. Oft dienen diese dem Selbstschutz. In Geschichten interessiert mich der Mensch dahinter, warum jemand so ist, wie er ist.

LiTMag: Sie haben Germanistik studiert und beherrschen daher die Regeln der Sprache und des Geschriebenen. Geben Sie sich selbst Freiräume und lassen diese in Ihre Texte einfließen, ohne auf gewisse Regeln zu achten?

S.M. Dölger: Das ist eine schwierige Frage. Denn beim Rohentwurf bemühe ich mich, alle Schreibregeln und damit den inneren Kritiker auszuschalten. Beim Überarbeiten „knipse“ ich alles an, was ich weiß. Allerdings merke ich, dass ich mir mehr zutraue, Regeln zu brechen, je länger ich fiktionale Texte schreibe. Am Anfang klammert man sich doch mehr an die Regeln, will alles „richtig“ machen. LiTMag: Was fasziniert Sie am Schreiben?

S.M. Dölger: Ich liebe es, in Gedanken in fremde Rollen zu schlüpfen, die Abenteuer meiner Romanfiguren fast zu „erleben“ und meine Leser zu überraschen, manchmal auch zu täuschen. *lacht*. Darüber hinaus verleiht mir das Schreiben die Fähigkeit, Figuren Leben einzuhauchen.

LiTMag: Können Sie uns etwas über den Entstehungsprozess Ihrer Bücher erzählen? 

S.M. Dölger: Beide Romane sind spannenderweise bei Schreimarathons entstanden. Sowohl beim Schweizer Novemberschreiben als auch beim internationalen NaNoWriMo, das sicherlich vielen bekannt ist, geht es darum, jeden Tag zu schreiben. Quantität geht vor Qualität. Durch diesen Wettbewerb bin ich in eine Art Schreibrausch geraten und konnte kaum wieder aufhören. Eine einmalige bzw. zweimalige Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann. Natürlich wird die Geschichte vorher geplottet, zumindest der Anfang und die Figuren. Das Ende kannte ich auch in beiden Fällen. Allerdings klaffte dazwischen eine große Lücke. *lacht* Bei „Zum Teufel mit Barbie!“ sah das so aus: Sue sitzt allein im Flieger nach Bangkok. Am nächsten Schreibtag landet sie und dann? Ich wusste es nicht, aber ich musste ja weiter schreiben. Deshalb war auch für mich sehr spannend zu sehen, was sie alles erlebt.

LiTMag: Gibt es einen bestimmten Rhythmus in Ihrer Tagesplanung? Wann nehmen Sie sich die Zeit zu schreiben, oder schreiben Sie wenn Ihnen danach ist?

S.M. Dölger:
Eigentlich schreibe ich immer, wenn mir danach ist. Wenn mich die Muse küsst, sozusagen. Meistens schreibe ich genau dann nicht, wenn ich es mir vornehme. Besonders kreativ bin ich nachts, wenn alle Pflichten für die Schule erfüllt sind und mich nichts ablenkt.

LiTMag: Was sagt Ihre Familie dazu? Dürfen Sie stören, wenn Sie schreiben?

S.M. Dölger:
Mein Mann kann sich glücklicherweise sehr gut selber beschäftigen. Von daher kommt es oft vor, dass wir gemeinsam auf der Couch sitzen und jeder seinen eigenen Interessen nachgeht. Dabei kann man sich auch mal kurz unterhalten, das stört mich nicht. Oft hat er auch gute Ideen oder kritische Anmerkungen. Er ist definitiv mein kritischster Leser. *lacht*  

LiTMag: War es schwierig, einen Verlag für die Veröffentlichung Ihres 1. Buches zu finden?

S.M. Dölger:
Eine Verlagssuche ist eine schwierige und oft Nerven strapazierende Angelegenheit. Deshalb habe ich mich gleich an Agenturen gewendet. „Hinter deiner Tür“ wurde mehrfach als gesamtes Manuskript eingefordert und ich habe viele Komplimente für meinen Schreibstil erhalten. Immerhin keine Standard-Absagen. Allerdings ist mein Eindruck, dass Agenturen nicht mutig genug sind, etwas Neues auszuprobieren. Und mein Roman ist kein Mainstream.
Da ich aber sehr an der Geschichte hänge und sie auch eine Botschaft vermittelt, wollte ich, dass sie gelesen wird. Deshalb habe ich sie im Self-Publishing bei Amazon herausgebracht. Die vielen positiven Lesermeinungen ermutigen mich, wieder auf Verlagssuche zu gehen. Mal sehen, was die Zukunft bringt.
Bei „Zum Teufel mit Barbie!“ war es anders. Durch einen Wettbewerbssieg bei neobooks ist die Agentur Chichili-Satzweiss auf die Geschichte aufmerksam geworden und hat sie als eBook herausgebracht. Dadurch wurde mir eine lange Verlagssuche erspart.  

LiTMag: Haben Sie irgendwelche Tipps für angehende Autoren?

S.M. Dölger: Ja. Glauben Sie an sich, verbessern Sie sich ständig, nehmen Sie Kritik an und legen Sie sich ein dickes Fell für die vielen Absagen zu.

LiTMag: Wie sehen Sie die deutsche Literaturlandschaft?

S.M. Dölger:
Die deutsche Literaturlandschaft ist sehr im Wandel. Das eBook bringt ganz neue Möglichkeiten, Geschichten zu veröffentlichen, sogar einzelne Kurzgeschichten. Dadurch ändern sich auch die Gewohnheiten der Leser und die Verlage sind gezwungen zu reagieren. Ganz neu gibt es die Chance, seine eBooks über die Tochterfirma von Amazon Create Space drucken zu lassen. Ich denke auch darüber nach, dies zu tun, da die Qualität der aus den USA versendeten Taschenbücher wirklich gut ist und viele Leser nach wie vor gerne Bücher aus Papier in der Hand halten möchten. Ich bin gespannt, wie die Verlage darauf reagieren werden. 

LiTMag: Die überwiegende Meinung ist, dass Autoren/innen selbst viel lesen sollten. Würde Sie dem zustimmen? 

S.M. Dölger:Auf jeden Fall. Ich lese, seit ich es kann. Eigentlich verschlinge ich Bücher. Wenn ich eins beginne, kann ich kaum wieder aufhören. Vor allem sollten Autoren aber Bücher aus ihrem eigenen Genre lesen.

LiTMag: Wen oder was wollen Sie mit Ihrem Geschriebenen erreichen?

S.M. Dölger: Wenn sich diese Frage auf das eBook „Hinter deiner Tür“ bezieht, dann Menschen, die nicht nur Oberflächliches und Lustiges lesen wollen, sondern nach Tiefe, nach Botschaften evtl. sogar nach Lebenshilfe suchen. Dies ist ein Angebot, über das jeder Leser selbst entscheiden kann. Man kann mein Buch auch einfach als spannende Lektüre betrachten.
Ich habe allerdings das Thema Angst gewählt, da sehr viele Menschen unter diesem Problem leiden und das heimlich. Das Buch soll Mut machen, sich zu öffnen und über seine Probleme zu sprechen. Und das Umfeld sollte genauer hinschauen und keine vorschnellen Urteile ziehen, da es immer Ursachen für menschliches Verhalten gibt. Meistens liegen diese in unserer Vergangenheit und die Verdrängung führt zu psychosomatischen Krankheitssymptomen. Wer sich für solche Zusammenhänge interessiert, den wird mein Buch auch ansprechen.

LiTMag: Nach "Hinter deiner Tür", einem Psychothriller, haben Sie "Zum Teufel mit Barbie", ein Jugendbuch geschrieben. Was können Sie sich gar nicht vorstellen zu schreiben?

S.M. Dölger: Ein Psychothriller? Diese Einschätzung ehrt mich sehr. Vielen Dank! *grinst* Für mich ist es er ein menschliches Drama … Ich habe mich erfolgreich an Science Fiktion versucht und drei dystopische Geschichten veröffentlicht. Hm, ich denke Horror könnte ich nicht schreiben, weil ich Horror auch nicht lesen kann. Dazu sind meine Nerven zu schwach. Bei der Dystopie bin ich schon an meine Grenzen gelangt, da ich einige meiner Protagonisten töten musste. Das ist mir sehr schwer gefallen.  

LiTMag: Können Sie uns ein lustiges oder skurriles Erlebnis bei einer Lesung berichten? Alternativ ein lustiges/skurriles Erlebnis mit einem Fan? 

S.M. Dölger:
Bei einer Lesung in einer 8. Klasse (Hauptschule) waren die Schüler so begeistert von „Zum Teufel mit Barbie!“, dass sie sich die Visitenkarten mit dem Cover auf die Stirn „geklebt“ haben. Das gab ein lustiges Gruppenfoto. Übrigens hat es mich sehr gefreut, dass diese Klasse mein Buch im
Deutschunterricht zu Ende lesen möchte. Da es ein eBook ist, lesen sie am Rechner in der Schule oder zuhause auf dem Handy.

LiTMag: Welche/n Schriftsteller/in würden Sie gerne treffen und was würden Sie sie/ihn fragen?

S.M. Dölger:
Meinen Lieblingsautor Markus Zusak würde ich gerne treffen .Da würde sich sicherlich die eine oder andere Frage ergeben. Vielleicht ergibt sich auf meiner Australienreise in diesem Sommer ja die Gelegenheit. *lacht*

LiTMag: Was haben Sie mit Ihrer Protagonistin Lena aus "Hinter deiner Tür" gemeinsam?


S.M. Dölger: Das ist eine sehr schwierige Frage. In jeder meiner Protagonisten steckt ein winziger Teil von mir. Also auch in Anna und Thilo zum Beispiel. Wie Anna habe ich Erfahrungen mit Blind Dates. Mehr möchte ich dazu aber nicht verraten. Thilo ist der Sympathieträger. Er will immer anderen helfen. In ihm finde ich mich teilweise wieder. Tja, und Lena ist ein Opfer ihrer Familie. Niemand sucht sich die Familie aus, in die er hineingeboren wird. Wie bei Lena und in vielen anderen Familien gab es auch in meiner Kindheit Probleme …
Besonders wichtig ist mir, nicht mit Lena Anders verwechselt zu werden. Da sie die Ich-Erzählerin ist, liegt bei manchen Lesern nahe, Erzählerin und Autorin gleichzusetzen. Das ist aber nicht der Fall. Überhaupt wird sich keine lebende Person aus meinem Bekanntenkreis in den Figuren wiederfinden. Wenn ich realistische Charaktere verwende, dann nur mit dem Stilmittel der Verfremdung. LiTMag: Verraten Sie uns etwas über Ihr neuestes Projekt oder ist das streng geheim? S.M. Dölger:
Natürlich arbeite ich wieder an neuen Projekten. Mein aktueller Schwerpunkt sind Jugendbücher. Zurzeit arbeite ich an einer Serie für Teenager ab 13. Die Serie trägt den Namen „fünfzehn“. Darin wird es um die Probleme des Erwachsenwerdens gehen. Band 1 mit dem Namen „Unerwünscht“ wird voraussichtlich im September erscheinen. Darin wird eine 15jährige schwanger.  

LiTMag: Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

S.M. Dölger:
Oh, da muss ich nachsehen, da ich fast nur noch eBooks lese. In meiner Schublade wartet gerade die PANEM-Reihe, noch eingepackt. Ich muss doch mal herausfinden, was Millionen Jugendliche zum Lesen verleitet. *grinst*

LiTMag: Wie kann man Sie erreichen? (Internetadresse)

S.M. Dölger: Der Kontakt mit meinen Lesern liegt mir am Herzen und Feedback ist jederzeit erwünscht. Das Internet ist dazu nicht mehr weg zu denken. Inzwischen kann man mich über mehrere Adressen erreichen. Natürlich über meine Homepage www.schwarz-trifft-weiss.de Insbesondere für meine jungen Leser habe ich einen Blog eingerichtet: zumteufelmitbarbie.wordpress.com und natürlich über meine Facebookseiten: https://www.facebook.com/Autorin.Sylvia.Doelger und https://www.facebook.com/Fuenfzehn.ebooks

LiTMag: Wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

S.M. Dölger:
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und ganz besonders für die wunderschöne Rezension zu „Hinter deiner Tür".

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