Dienstag, 9. Oktober 2012

Mein Autoreninterview mit Petra Schier für das LitMag



Für das LitMag, das es jetzt leider nicht mehr gibt, habe ich die Autorin Petra Schier interviewt:

Leider spielen mir hier die Schriftarten einen Streich, keine Ahnung was das für ein Fehler ist, sorry, trotzdem viel Spaß mit dem Interview.











Foto: Uschi Blech, Bad Neuenahr-Ahrweiler

LiTMag: Bitte stellen Sie sich kurz vor:

Petra Schier:


Gerne! Geboren wurde ich 1978 im Sternzeichen Wassermann. Ich wohne mit Ehemann und Schäferhund in einem kleinen Ort in der Eifel (aus Überzeugung!) und habe Geschichte und Neuere Deutsche Literatur an der Fernuni Hagen studiert. Allerdings ohne Abschluss, denn während des Studiums begann ich bereits als Lektorin für einen kleinen Verlag zu arbeiten und etwa zeitgleich erschien mein erster historischer Roman bei Rowohlt. Danach blieb keine Zeit mehr fürs Studium. Das war 2005; seither sind diesem ersten Buch neun weitere bei Rowohlt gefolgt sowie sechs Weihnachtsromane bei Rütten & Loening und einige Kinderbücher. Weitere Titel (in diversen Genres) sind bereits in Planung und Arbeit. Am bekanntesten dürfte nach wie vor meine historische Romanreihe um die Kölner Apothekerin Adelina sein, die im ausgehenden 14. und beginnenden 15. Jahrhundert angesiedelt ist. „Tod im Beginenhaus“ war hier der erste Band, drei weitere folgten bereits und an Band 5 schreibe ich gerade.
Seit April 2012 schreibe ich unter dem Pseudonym Mila Roth zusätzlich eine verlagsunabhängig erscheinende Buchserie um einen Geheimagenten und eine Zivilistin. Ich nenne das Projekt die erste Vorabendserie in Buchform. Teil 1 heißt hier „Spionin wider Willen“.

LiTMag: Wie kamen Sie zum Schreiben?

Petra Schier:
Die Standardfrage!
Geschrieben habe ich schon (fast) immer; begonnen hat es aber so richtig, als ich zum elften Geburtstag ein Tagebuch geschenkt bekam. Seither habe ich mich an allen möglichen Textformen versucht, und herausgefunden, dass mir der Roman am meisten liegt, wohingegen ich Kurzgeschichten gar nicht mehr schreibe, wohl, weil ich sie auch nicht gerne lese. Dass es dann ausgerechnet historische Romane wurden, ist Mitte der 90er Jahre durch die Lektüre eines solchen inspiriert worden. Damals las ich „Die Stimme“ von Judith Merkle Riley, ein Buch, das ich seither immer wieder einmal hervorhole und nochmals lese. Die Geschichte hat mich in ihrer Bildhaftigkeit und Warmherzigkeit so sehr beeindruckt, dass ich plötzlich wusste: Das will ich auch machen.

LiTMag:
Sie schreiben historische Romane, Kinderbücher und Weihnachtsromane unter 
             ihrem Namen Petra Schier, seit Neuestem unter dem Pseudonym Mila Roth eine 
             E-Book-Action-Romance, warum?

Petra Schier:
Zunächst einmal hat es als E-Book-Serie angefangen, aber inzwischen ist sie auch im Taschenbuchformat bei Amazon.de erhältlich. Die Idee zu der Serie kam mir im Sommer 2010 während einer üblen dreiwöchigen Schreibblockade. Eigentlich hätte ich den dritten Teil meiner Aachen-Trilogie („Das silberne Zeichen“) schreiben sollen, aber durch eine Sommergrippe und diverse andere Kleinigkeiten ging ein Weilchen gar nichts mehr. In Zeiten einer Schreibblockade kommen mir aber interessanterweise oft richtig gute neue Ideen, so also auch hier. Mir war aber gleich klar (und das habe ich auch mit meinem Agenten besprochen), dass das Konzept, das mir vorschwebte, sich für Publikumsverlage nicht eignet. Vier bis sechs Episoden pro Jahr von jeweils ca. 150-170 Seiten – das passt in kein Marketingkonzept. Ganz zu schweigen davon, dass große Verlage sehr weit im Voraus planen und schon allein deshalb abwinken würden. Und kleine Verlage haben meist nicht die finanziellen Mittel, um sich auf ein solches Projekt einzulassen. Zu meinem Glück gibt es aber inzwischen diverse Möglichkeiten, E-Books mit vergleichsweise wenig Aufwand selbst zu veröffentlichen, und mit CreateSpace, einer Print-on-Demand-Firma und Tochter von Amazon kam dann noch die wunderbar einfache Möglichkeit dazu, die Bücher auch gedruckt anzubieten.
Für das Pseudonym habe ich mich entschieden, um für diese Art von Serie eine neue Marke zu erschaffen, die hoffentlich eines Tages einen entsprechend hohen Wiedererkennungswert haben wird.

LiTMag: Wie sieht die Recherchearbeit bei Ihnen aus, insbesondere für Ihre historischen 

             Romane?

Petra Schier:
Die Recherche, gerade für historische Romane, ist sehr aufwendig. Das Internet ist natürlich inzwischen Anlaufstelle Nummer eins, aber ich recherchiere auch in Archiven, Bibliotheken (in der Regel via Fernleihe), frage Experten, lese Literatur aus und über die mit vorschwebenden Themen. Doktor- und andere Forschungsarbeiten sind hier auch immer ein sehr interessantes Mittel, an interessante Detailinformationen zu gelangen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man keine Möglichkeit hat, an Originalquellen zu gelangen. Gerade nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs entstand in dieser Hinsicht ja ein großes Problem, das uns wohl noch lange begleiten wird.

LiTMag: Was fasziniert Sie am Schreiben?

Petra Schier:
Das Eintauchen in andere Zeiten und/oder Schauplätze. Das Entwickeln von Charakteren, die bestenfalls bei den Lesern einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Außerdem hat man als Autor/in die wunderbare Gelegenheit, viele verschiedene Leben zu leben – durch die Figuren.
Was mich auch immer wieder fasziniert sind die Reaktionen meiner Leser. Wenn ich zu hören bekomme, dass jemand an einer bestimmten Stelle eines meiner Bücher richtig wütend wurde (z. B. auf den Bösewicht aber evtl. auch auf den Helden) oder laut lachen musste, geweint hat oder Schmetterlinge im Bauch verspürte, dann ist das für mich ein wunderbares Lob und eine Motivation, meinen Weg weiterzugehen. Es überrascht mich aber auch immer wieder, dass ich die Gefühle oder Bilder, die ich beim Schreiben verspürte bzw. vermitteln wollte, allein durch Worte offenbar tatsächlich bei den Lesern ausgelöst werden können.

LiTMag: Können Sie uns etwas über den Entstehungsprozess Ihrer Bücher erzählen?

Petra Schier:
Meist beginnt es mit einer Vision, einer Szene in meinem Kopf. Daraus entwickelt sich nach und nach eine Geschichte. Das Plotten geht bei mir am besten mit Ringblock und Kugelschreiber, zumindest in der ersten Instanz. Da füllen sich dann oft Seiten um Seiten mit Querverweisen, Diagrammen und manchmal auch Stichworten zu den Szenen, die ich bereits im Kopf habe. Als Nächstes schreibe ich ein Arbeitsexposé für mich, aus dem ich dann später auch das Exposé für den Verlag erarbeite. Denn anhand des Exposés stelle ich bzw. stellt mein Agent das Projekt dem Verlag vor, woraufhin dieser entscheidet, ob ich einen Vertrag erhalte und in welcher Form (Hardcover, Taschenbuch etc.).
Aber auch bei den Büchern, die ich verlagsunabhängig veröffentliche, schreibe ich ein Arbeitsexposé, denn das ist der rote Faden, das Gerüst, das ich dann beim Schreiben mit Leben fülle.
Außerdem entwerfe ich zu den wichtigsten Personen Steckbriefe und Biografien, darin sind alle wichtigen Details bis hin zur Schuhgröße und dem Lieblingsessen enthalten. Diese Steckbriefe wachsen natürlich während des Schreibens, vor allem bei einer Serie oder Reihe, immer weiter.
Für das gesamte „Personal“ eines Romans bzw. einer Serie schreibe ich darüber hinaus noch eine Personenliste mit Namen und den wichtigsten Daten zum Aussehen, Alter, Beruf usw. Diese Liste ist beim Schreiben immer zusätzlich als Datei geöffnet, damit ich ggf. schnell nachschlagen kann und nicht den Überblick verliere.
Das klingt jetzt sehr genau konstruiert, aber im Grunde ist nur der rote Faden meiner Geschichte wirklich geplant. Das sind etwa 50 Prozent, die übrigen 50 Prozent sind Bauchgefühl, was bedeutet, dass ich der Geschichte und den Figuren noch recht viel Raum lasse, sich zu entwickeln, manchmal übrigens auch für mich sehr überraschend. Aber dennoch immer innerhalb des vorgegebenen Gerüsts.


LiTMag: Gibt es einen bestimmten Rhythmus in Ihrer Tagesplanung?

             Wann nehmen Sie sich die Zeit zu schreiben, oder schreiben Sie wenn Ihnen 
             danach ist?
Petra Schier:
Zu warten, dass mir nach Schreiben zumute ist, wäre das simpelste Mittel, arbeitslos zu werden. Meiner Erfahrung nach darf man als Autor nicht darauf warten, dass einen die Muse küsst. Musen sind sehr launische und faule Geschöpfe, die ein bisschen gezwiebelt werden müssen, um sich wirklich zu zeigen. J
Ich beginne meist zwischen sieben und halb acht Uhr morgens, checke meine E-Mails und was sich auf Facebook und Twitter getan hat. Danach beginne ich entweder mit dem Schreiben oder erledige Korrespondenz, Interviews oder was sich sonst noch so alles ansammelt. Mittags mache ich meist zwei Stunden Pause, danach arbeite ich weiter: Schreiben und/oder Recherche. Gegen 17 Uhr ist an einem idealen Tag Feierabend. Leider sind nicht alle Tage ideal …
Wenn ich an einem Buch schreibe, dann täglich zwischen sieben und zehn Normseiten. Am Wochenende schreibe ich in der Regel nicht. Diese zwei Tage benötige ich, um meinen Haushalt in Schuss zu bringen und mich zu entspannen.

LiTMag: Darf die Familie stören, wenn Sie beim Schreiben sind?

Petra Schier:
Darf sie, tut sie aber selten. Da ich (noch) keine Kinder habe, wäre da auch höchstens mein Hund zu nennen, der auch jetzt gerade, während ich dies hier schreibe, bereits darauf lauert, dass ich eine Pause mache und mit ihm rausgehe. Mein Mann Paul ist Industriemeister (Fachrichtung Metallbau) und von morgens früh bis zum späten Nachmittag außer Haus. Gestört werde ich von ihm also höchstens, wenn er krank ist oder Urlaub hat, und auch das nicht sehr häufig. Ihm ist es wichtig, dass ich meine Arbeit tue, so gut es eben geht. Denn schließlich ist das mein Beruf, mit dem ich entsprechend Geld verdienen will und muss.
Ich habe aber nicht wirklich ein Problem damit, gestört zu werden. Das reißt mich selten wirklich aus der Geschichte heraus. Selbst Facebook, Twitter und Co. sind zwar ohne Frage Zeitfresser, behindern mich aber nicht in meiner Konzentration.

LiTMag: Bleibt Ihnen neben dem Schreiben noch Zeit für andere Hobbys, und welche sind 

             das?

Petra Schier:
Viel Zeit bleibt nicht, aber ich wandere gerne mit Mann und Hund (an den Wochenenden), koche und backe leidenschaftlich gern. Und dann ist da noch mein Garten, der mich hin und wieder auch gerne zu Gesicht bekommt.
Ein gutes Buch hin und wieder gehört auch dazu und außerdem bin ich aktiv Mitglied in einem internationalen Internetforum zu meiner Lieblingsserie aus den 80ern „Scarecrow & Mrs. King“ (Agentin mit Herz). Obgleich die Serie schon rund 30 Jahre alt ist, lebt die Fangemeinde noch und im Forum geht es recht lebhaft zu. Natürlich auf Englisch, denn der größte Teil der Mitglieder kommt aus den USA, aber auch aus vielen anderen Ländern inklusive Deutschland. Aus meiner Liebe zu dieser Serie rührt auch meine entsprechende Liebe zur englischen Sprache. Wann immer möglich (und bei DVDs überhaupt kein Problem mehr), schaue ich Filme und TV-Serien nur noch im Originalton.

LiTMag: War es schwierig, einen Verlag für die Veröffentlichung Ihres 1. Buches zu finden?

Petra Schier:
Nein, war es nicht. Allerdings muss ich dazu sagen, dass meine Geschichte vergleichsweise ungewöhnlich ist. Ich habe nämlich zu jenem Zeitpunkt, als das Schicksal es gut mit mir meinte, noch gar nicht aktiv nach einem Verlag gesucht.
Gleich nach dem Abitur (1997) begann ich zu studieren, zunächst auf Lehramt für Grund- und Hauptschule. Nach fünf Semestern und einigen Praktika habe ich aber gemerkt, dass es nicht das war, was ich wirklich tun wollte. Eigentlich wusste ich das schon immer, aber man hört ja gerne auf den Rat der Älteren: Lern was Anständiges ...

Ich bin dann übergewechselt (von der Uni Koblenz) zur Fernuni und den Bereichen Neuere Deutsche Literatur und Geschichte. Über Wasser gehalten habe ich mich mit jeder Menge Nachhilfe in Deutsch und Englisch. Dann erreichten mich 2003 kurz hintereinander zwei Anrufe. Einer von einem Kleinverleger in der Eifel, der andere von einem Literaturagenten. Ersterer wollte gerne, dass ich Kindergeschichten für ihn schreibe (was ich auch tat), die er in Kooperation mit großen Verlagen wie Moewig, Tosa und Urania veröffentlichte. Er hatte meine Homepage im Internet entdeckt und dort meine Leseproben aus unveröffentlichten Werken. Die gefielen ihm so gut, dass er Kontakt aufnahm. Bald schon begann ich auch, für ihn zu lektorieren und als Mädchen für alles im Verlag zu arbeiten. Auch heute noch lektoriere ich hin und wieder ein Sachbuch für ihn.
Der Agent wurde durch Empfehlung eines anderen Autoren auf mich aufmerksam und wollte ursprünglich ein Sachbuchprojekt mit mir machen (für Eichborn). Daraus wurde aber nichts, weil der Verlag gar nicht wusste, was genau er überhaupt machen wollte. Aber der Kontakt war da, der Agent hatte mittlerweile auch schon meine Leseproben gelesen und bat um mehr Text. Den bekam er auch und schon sehr bald nahm er mich unter Vertrag und vermittelte mich an Rowohlt. :-) Wie bald, sieht man daran, dass mein erster Roman dort 2005 erschienen ist (Tod im Beginenhaus).


LiTMag: Haben Sie irgendwelche Tipps für angehende Autoren?

Petra Schier:
Unzählige! Allen voran, dass man, wenn man etwas wirklich will, es auch erreichen kann. Ganz gleich, wie schwierig es erscheint: Wenn man an sich glaubt, kann man alles schaffen.
Konkret verweise ich immer gerne auf meine Homepage, denn dort gibt es in der Rubrik „Tipps für Autoren“ (www.petra-schier.de/html/tipps.html) jede Menge Informationen zu den Themen Schreiben/Schreibhandwerk und Veröffentlichen, verschiedene Tutorials, Verlagsadressen und – ganz wichtig! – die inzwischen größte und aktuellste Liste mit seriös arbeitenden Literaturagenten im deutschsprachigen Raum, die regelmäßig komplett überprüft und aktualisiert wird.
Mittlerweise werden aus Kollegenkreisen die Stimmen immer lauter, die mich auffordern, einen richtigen Ratgeber für Autoren zu veröffentlichen. An diesem Projekt plane und konzipiere ich derzeit, so oft es meine Zeit zulässt.

LiTMag: Wie sehen Sie die deutsche Literaturlandschaft?

Petra Schier:
Ale spannende Berg- und Talbahn und gleichzeitig gefährliches Mienenfeld. Sich in der deutschen Literaturlandschaft zu orientieren und zurechtzufinden, ist verd*** schwierig. Aber das ist nichts Neues. Die Umbrüche durch z. B. das E-Book, die wir momentan erleben, hat es mit anderen Errungenschaften (Taschenbuch, Hörbuch usw.) in der Vergangenheit auch schon gegeben.
Wichtig ist es gerade für Autoren, sich flexibel auf die Veränderungen einzustellen, neugierig zu bleiben und sich nicht zu scheuen, auch mal ganz neue Wege einzuschlagen.


LiTMag: Wie sehen Sie den E-Book Bereich? Sind E-Books eine Konkurrenz für  

             gedruckte Bücher?

Petra Schier:
Ja und nein. Was wir gerade erleben, diesen Hype des E-Books, hat es vor vielen Jahren ähnlich auch mal gegeben, als die ersten Taschenbücher auf den Markt kamen. Erst waren sie „Igitt“, dann fürchtete die Literaturwelt den Verfall von guten Sitten und das Verschwinden der wahrhaft guten Bücher. In Wahrheit haben Taschenbücher aber den Literaturmarkt wahnsinnig bereichert. Die Vielfalt des gedruckten Wortes wurde unglaublich erweitert. Ähnliches geschieht durch die E-Books. Natürlich kann sich nun, da es so einfach geworden ist, selbige zu veröffentlichen, jede und jeder zum Autor berufen fühlen und unter Umständen auch den größten Mist in die Welt hinausschicken. Hier sind aber vor allem die Leser gefragt, die meiner Meinung nach mündig und intelligent genug sind, gute von weniger guten Büchern zu unterscheiden. Deshalb wird sich der Markt in dieser Hinsicht mittelfristig von alleine regulieren. Selbstverlag ist ja nichts Neues, es wurde im Zuge von Amazon KDP und diversen zusätzlichen Angeboten im Print-on-Demand-Bereich nur plötzlich salonfähig.
Wichtig ist das geschriebene Wort an sich. Wen es zu fesseln imstande ist, die Leser begeistern kann, dann ist es gleich, ob es bei einem Verlag veröffentlicht wurde oder nicht.
Ganz verdrängen wird das E-Book die gedruckten Bücher nicht. Aber gerade in der Genre-Literatur wird der Anteil an verkauften E-Books – sowohl aus Verlagen als auch von Indie-Autoren – noch ganz enorm steigen.
Liebhaber von gedruckten Büchern werden deshalb nicht aussterben, lediglich die Verkaufsflächen im stationären Buchhandel werden deutlich zurückgehen. Manch ein Buch ist als E-Book meiner Meinung nach auch gänzlich ungeeignet. Man denke nur an wunderbare Bildbände oder gar Kochbücher. Letztere möchte ich doch lieber gedruckt vorliegen haben, denn meinen Kindle will ich nur ungern den Gefahren aussetzen, die in einer Küche beim Kochen und Backen lauern können. J


LiTMag: Die überwiegende Meinung ist, dass Autoren/innen selbst viel lesen sollten. 

             Würde Sie dem zustimmen?

Petra Schier:
Absolut! Da ich selbst übers Lesen zum Schreiben gekommen bin, kann ich diese Aussage nur unterschreiben. Durch das Lesen bekommt man ein Gefühl für Sprache, ihren Rhythmus, die Bilder, die man mit ihrer Hilfe hervorrufen kann.
Mir fehlt mittlerweile leider die Zeit, noch so viel zu lesen wie noch vor einigen Jahren. Auch bin ich viel wählerischer geworden, was meine Lektüre angeht. Aber dennoch ist das Erlebnis, ein gutes Buch zu lesen, für mich noch immer unübertroffen.

LiTMag: Wen oder was wollen Sie mit Ihrem Geschriebenen erreichen?

Petra Schier:
Das ist gar nicht so einfach zu beantworten! Natürlich habe ich inzwischen ein recht gutes Bild von den jeweiligen Zielgruppen meiner Romane, aber hier ins Detail zu gehen, würde ausufern und den Rahmen dieses Interviews sprengen.
Ich möchte es mal so ausdrücken: Meine Bücher sollen unterhalten, bestenfalls fesseln und den Lesern ein paar Stunden oder Tage die Möglichkeit bieten, in eine andere Zeit oder Welt, in ein anderes Leben einzutauchen und die eigenen Alltagssorgen für eine Weile zu vergessen. Selbstverständlich bemühe ich mich auch um exakte Recherche, sodass meine Bücher auch immer einen gewissen bildenden Mehrwert besitzen. Dieser ist aber für mich nicht im Vordergrund, sondern fließt möglichst unauffällig in die Geschichten ein. Zumindest bei meinen historischen Romanen. Ich schreibe keine Geschichtsbücher und möchte nicht belehren. Aber es freut mich, wenn Leser in meinen Romanen etwas entdecken, was sie vorher noch nicht wussten und sich darüber freuen, etwas gelernt zu haben, ohne es recht mitbekommen zu haben.
Was meine Weihnachtsromane und die Agentenserie angeht: Hier geht es mir natürlich auch primär darum, gute Unterhaltung zu liefern, die den Lesern Spaß macht, sie zum Lachen, Weinen, Seufzen und Mitfiebern bringt.

LiTMag: Was können Sie sich gar nicht vorstellen zu schreiben?

Petra Schier:
Vor einer Weile hätte ich hier noch geantwortet: Fantasy. Aber in meinem Kopf hat sich interessanterweise kürzlich eine Idee zu einer (recht abgefahrenen) Fantasyserie manifestiert, die irgendwann mal unter meinem Pseudonym Mila Roth das Licht der Welt erblicken wird. Eine romantische Komödie mit einem außerirdischen Superhelden, ein bisschen mit Superman zu vergleichen, und jeder Menge Action und Witz.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man niemals nie sagen darf. Deshalb werde ich auch kein Genre oder Thema nennen, das ich vollkommen ausschließen möchte.


LiTMag: Können Sie uns ein lustiges oder skurriles Erlebnis bei einer Lesung berichten? 

              Alternativ ein lustiges/skurriles Erlebnis mit einem Fan?

Petra Schier:
Natürlich gibt es immer mal skurrile Erlebnisse bei Lesungen. Vergangenes Jahr war ich z. B. in eine Kleinstadt in Ostdeutschland eingeladen, was für mich eine extrem weite Autofahrt bedeutete. Unglücklicherweise geriet ich auch noch in einen Stau, schaffte es aber noch vergleichsweise rechtzeitig in die Stadt zu gelangen. Aber dann ging es los! Mein Navigationsgerät führte mich in den Stadtkern und verlangte, ich solle an einer Kreuzung geradeaus fahren, um zu meinem Hotel zu gelangen. Leider ging das aber nicht, weil geradeaus eine mit Steinpfeilern abgesperrte Fußgängerzone lag. Ich bog ab und suchte einen anderen Zugang, fand aber keinen. Man kann sich vorstellen, dass ich ins Schwitzen geriet, denn ich war ja schon spät dran. Ich fand und fand aber keinen Weg zu meinem Hotel, bis ich einen Geschäftsmann ansprach, der gerade seinen Laden abschloss. Er erklärte mir den Weg dann. Allein darauf gekommen wäre ich im Leben nicht, denn um zu dem Hotel (und der Bibliothek) zu gelangen, musste man die Stadt fast ganz unrunden und dann über den Parkplatz des örtlichen Supermarktes fahren. Wer kommt denn bitte auf so was? Inzwischen hatte ich glücklicherweise auch die Veranstalter telefonisch erreicht, die mich bereits sehnsüchtig erwarteten.
Ich checkte im Hotel ein (das glücklicherweise gleich neben der Bibliothek lag) und zog mich in Rekordzeit von zehn Minuten um. Rekord deshalb, weil ich im historischen Kostüm auftreten sollte. Exakt fünf Minuten vor Veranstaltungsbeginn war ich dann an Ort und Stelle.

Ein nicht unbedingt lustiges aber dafür sehr schönes Erlebnis mit einem Fan hatte ich gerade kürzlich. Eine begeisterte Leserin meiner Agentenserie bat mich, eine inoffizielle Fanseite für die Serie bei Facebook einrichten zu dürfen. Das hat mich richtig stolz gemacht. J

LiTMag: Welche/n Schriftsteller/in würden Sie gerne treffen und was würden Sie sie/ihn 

             fragen?

Petra Schier:
Ach herrje, ich kenne inzwischen so viele Schriftsteller persönlich, da fällt mir so rasch gar niemand ein. Doch, meine beiden Lieblingsautoren: Jane Austen und Nora Roberts. Miss Austen dürfte allerdings schwierig werden, es sei denn, ich würde ein Medium bemühen. Mit ihr würde ich mich gerne über ihre wunderbar tiefgründigen Figuren unterhalten.
Nora Roberts wäre theoretisch schon eher möglich, falls sie mal nach Deutschland kommt oder ich in die USA. Eine bestimmte Frage fällt mir hier gar nicht ein. Ich würde nur einfach mal gerne mit ihr über das Schreiben an sich und ihre Bücher sprechen.

LiTMag: Was haben Sie mit Ihrer Protagonistin Janna, der Zivilistin, die in Ihrer Action-

             Romance als Agentin zusammen mit Markus tätig ist, gemeinsam?

Petra Schier:
Die Liebe zum Landleben auf jeden Fall. Ansonsten? Ich weiß nicht recht. Ich wurde das auch schon hinsichtlich meiner anderen Protagonistinnen gefragt, vor allem Adelina. Sicherlich fließen immer mal Eigenschaften eines Autors in seine Figuren ein. Ich stelle aber eher andersherum fest, dass ich meine Figuren oft ein bisschen so entwerfe, wie ich selbst gerne wäre: so fleißig und unermüdlich wie Adelina zum Beispiel. Auch wäre ich froh, mir würde der Haushalt so leicht von der Hand gehen wie Janna. Meine weiblichen Figuren sind oft auch recht schlagfertig. Eine Eigenschaft, die ich nicht in diesem ausgeprägten Maße besitze, aber gerne hätte.

LiTMag: Was ist Ihr nächstes Projekt außer der Fortsetzung der Action-Romance um 

             Janna und Markus?

Petra Schier:
Nächste Projekte muss ich wohl sagen. Derzeit schreibe ich an „Verschwörung im Zeughaus“, dem fünften Band meiner Adelina-Serie. Nebenher konzipiere ich den bereits erwähnten Autorenratgeber, was aber noch etwas länger dauern wird. Nächstes Jahr ist bei Rowohlt wieder ein historischer Roman geplant, der diesmal im 17. Jahrhundert, während des Dreißigjährigen Krieges und der Hexenverfolgung, spielen wird und auf einer wahren Begebenheit basiert.
Der dritte Teil meiner Kreuz-Reihe („Die Eifelgräfin“, Die Gewürzhändlerin“) steht auch noch aus, ebenso wie ein zweiter Roman, der im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Außerdem plane ich auch noch den Sprung ins Genre des zeitgenössischen Liebesromans, aber dazu kann und darf ich noch nichts verraten.
Man sieht: Ich bin fleißig und bleibe es auch.

LiTMag: Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Petra Schier:
Kein Buch, sondern mein Kindle. Ich habe mir fest vorgenommen, bald mit der BoonsBorro-Trilogie von Nora Roberts (auf Englisch) zu beginnen. Band 1 heißt „The next always“.

LiTMag: Wie kann man Sie erreichen? (Internetadresse)

Petra Schier:
Das ist leicht. Googeln Sie meinen Namen und die ersten drei Seiten Treffer führen zu mir.
Nein, im Ernst, man findet mich unter folgenden Adressen:

Petra Schier:

Autorenhomepage: www.petra-schier.de

Mila Roth:

Autorenhomepage: www.mila-roth.de
Inoffizielle Fanseite meiner Vorabendserie in Buchform: https://www.facebook.com/SpioninWiderWillenVonMilaRoth
Twitter und YouTube siehe oben.

LiTMag: Wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Petra Schier:
Ich bedanke mich für die Gelegenheit, Ihre Fragen beantworten zu dürfen und grüße alle Leser ganz herzlich!
 


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