Mittwoch, 28. November 2012

Autorenlesung der Herren Fitzek und Tsokos zu ihrem Buch "Abgeschnitten" im Theaterhaus Stuttgart am 27.11.12

Gespannt saßen wir in der 2. Reihe, hatten wir doch unsere Karten schon sehr früh bestellt.
Herr Fitzek erschien im Anzug mit Turnschuhen, Herr Tsokos in Jeans, Lederstiefeln, Hemd und Jackett. Fitzek und Tsokos kamen vom 1. Moment an sehr sympathisch und humorvoll rüber. Beide haben sich erst einmal mit kurzen Filmchen vorgestellt, in denen wir erfahren haben, dass Herr Fitzek früher eine Karriere als Rockstar anstrebte und Herr Tsokos in seinem Haus einen Kellerraum mit 40 000 Bällen hat, in dem man ein "Bällebad" nehmen kann.
Kennengelernt haben sich die beiden bei der Sendung Fröhlich liest mit Susanne Fröhlich, die im MDR lief. Darüber haben wir einen Filmausschnitt sehen dürfen. Bei der Charité-Rechtsmedizin-Nacht haben sie sich an der Würstchenbude getroffen. Beide haben einen ähnlichen Humor und waren sich sympathisch.

Herr Tsokos gab uns Einblicke in seine Arbeit als Rechtsmediziner und räumte mit einigen Mythen auf. Gelesen wurde nicht sehr viel, aber wir bekamen einen tollen Einblick in die Arbeit der beiden Autoren und wir hatten den Eindruck, dass sie sehr viel Spaß hatten bei ihrem Buchprojekt.

Herr Fitzek, der gestand, dass er dachte, Lektoren würden auf die Rechtschreibung achten, zeigte uns, wie das Buch aussieht, wenn die beiden Lektorinnen Anmerkungen machen. Ein Zuschauer regte an, dass doch mal eine Buch mit den Anmerkungen der Lektorinnen erscheinen sollte (zu "Abgeschnitten"gab es wohl über 460 Anmerkungen, die die beiden aber oft ignoriert haben ..).

Herr Fitzek durfte Herrn Tsokos in seinem "Hochsicherheitstrakt", besuchen, hatte er mit einer Leiche gerechnet, waren es an diesem Tag 12! Die Minzepaste, die er erwartete, sollen sie doch die Rechtsmediziner unter die Nase streichen. Dass HerrTsokos ihm diese nicht gab, nahm er im sehr übel, da die Gerüche in der Rechstmedizin wohl nicht so "duftig" sind. Auch diese Paste wäre ein Mythos, der auf dem Film "Das Schweigen der Lämmer" beruht. Brauchen doch die Rechtsmediziner ihre Nase um Gerüche warzunehmen. Sie erkennen Alkoholgeruch, Zuckerkrankheit oder bestimmte Vergiftungen am Geruch.

Anhand von Ausschnitten aus "Tatort Münster" - meinem Lieblingstatort - und "Das Schweigen der Lämmer" wurde mit weiteren Mythen aus der Rechtsmedizin aufgeräumt, z. B. sind Pathologen was total anderes als Rechtsmediziner und in die Rechtsmedizin (ich hab`s jetzt gelernt, ich verwende den richtigen Begriff!) dürfen Angehörige nicht reinstürmen und die Toten identifizieren. Die Leichen sind von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und die Täter finden sich oft im engeren Bekanntenkreis.

Wir erfuhren, dass es den Praktikanten in "Abgeschnitten" tatsächlich gab, der war allerdings nur einen Tag bei Herrn Tsokos Praktikant. Er hat aber tatsächlich seine Brille in der Leiche versenkt und sie dann wieder aufgesetzt. In der Kantine hat er sich bei den Ärzten auch nicht unbedingt beliebt gemacht.
Wir haben Bilder angesehen von der Recherchenreise in Helgoland (Herr Fitzek gab zu, dass er nicht gerne fliegt und mit so kleinen Maschinchen, in die nur 4 Leute reinpassen schon gar nicht. Beruhigt hat ihn Herr Tsokos, der ihm erzählte, bei Absturz hätte das Maschinchen einen Fallschirm, der sich öffnen würde).

Warum war Herr Tsokos oft in Helgoland? Weil dort viele Männer ohne Hose an Land gespült werden. Hört sich komisch an, oder? Es sind Segler mit einem guten Promillegehalt, die pinkeln über Bord und so manch einer geht dabei gleich mit über Bord und landet dann an der Küste von Helgoland ..

Herr Tsokos schilderte einen wahren Fall eines Serienmörders, der per Haftbefehl gesucht wird und wohl auf Malta sein soll (er hoffte, dass der jetzt nicht gerade im Publikum sitzt, das hofften wir auch). Diesen Menschen hätten die Lektoren gestrichen, da er Mediziner, Multimilliardär und verwandt mit dem Präsidenten von Kasachstan ist, dazu auch noch ein Sadist, der gerne Menschen quält und ihre Schmerzen mittels Schmerzmitteln verlängert, da halten sie länger durch ....

Er hat Bankmanager gefoltert, zu Unterschriften gezwungen und umgebracht. Herr Tsokos wurde nach Kasachstan gerufen um zwei vermisste Bankenmanager zu identifizieren. Wir haben dazu Bilder gesehen, unglaublich, dass man aus einem Haufen Asche mit einigen Knochen noch Menschen identifizieren kann. Der Mörder hat die beiden Leichen mit Löschkalk behandelt, so dass nicht mehr viel von den Leichen übrig blieb. Herr Tsokos konnte die Leichen identifizieren. Die Gerichtsmedizin in Kasachstan sieht übrigens ziemlich gruselig aus.

Wir erfuhren, dass der Vampirglaube u .a. darauf beruht, dass Leichenwasser, das aus dem Mund von Toten fließt, das die  Menschen früher für Blut hielten. Es in der Gerichtsmedizin keinen Knopf gibt, worauf eine vermeitliche Leiche drücken könnte um zu melden, dass sie noch lebt und den wir aus "Nightwatch" kennen. Herr Tsokos hat nur einmal erlebt, dass ein Toter, der vor ihm lag, wieder aufstand. Da war er bei einer Lesung zu Gast  und ein 2 m Mann fiel um. Er musste ihn quasi wiederbeleben und hat ihm dazu seine Faust in den Brustkorb gerammt.

Herr Fitzek wird von seinen Lesern oft gefragt, was er denn für eine kranke Fantasie hätte. Er meinte, wir Leser wären nicht besser. Wir wurden verdächtigt, einen Mord zu planen, kamen doch ganz schön viele Fragen, die darauf hinwiesen, dass wir den perfekten Mord planen, die Autorin Stefanie Maucher hat sich dabei gleich mal für ihren nächsten Thriller weitergebildet und fleissig gefragt ..

Fingernägel und Haare wachsen auch nicht bei Toten, das Wasser geht zurück aus dem Gewebe, das erweckt dann den Eindruck. Den Todeszeitpunkt erfährt man auch nicht durch Handauflegen, dafür muss man die Temperatur der Leiche messen und der Rechtsmediziner misst den Hautwiderstand mittels Elektroden. Auch die ganze Sache mit den Würmern und Käfern, die Simon Beckett gerne verwendet, ist ein Mythos. Das Leichengift gibt es auch nicht.

Insgesamt war es eine total interessante und spannende Lesung mit zwei total netten Autoren, die beide den Schalk im Nacken haben. Beide Herren standen danach  für Fragen, Fotos und Widmungen zur Verfügung.

Wenn die beiden mal in eurer Nähe sind, geht hin! Ich kann euch so eine Lesung nur empfehlen.





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