Sonntag, 20. Januar 2013

Autoreninterview mit Jenk Saborowski für den Krimikiosk

JENK SABOROWSKI: "Im Übrigen halte ich Frauen für die besseren Ermittler." (Interview)

© Foto Christof Stieger, München
Ich habe für den KrimiKiosk mit dem Thrillerautor Jenk Saborowski (BIEST / OPERATON BLACKMAIL) ein Interview geführt und versucht, einen Blick in die Schreibstube eines Autors für Agenten-Thriller zu erhaschen.
1. Was reizt Sie, ausgerechnet rechercheintensive Agenten-Thriller zu schreiben?
Ich wollte eine Ermittler-Einheit schaffen, die es mit allen möglichen Formen von Verbrechen und Verbrechern zu tun bekommen kann, eine Art "europäisches FBI", deswegen übrigens auch "Agent Lang". 
Damit hat jedes Buch für meine Leser, aber auch für mich als Autor, ein neues Thema, das es zu entdecken gilt. Das führt natürlich dazu, dass die Bücher enorm rechercheintensiv sind, aber seit ich festgestellt habe, wie ungeheuer hilfsbereit die meisten Experten sind, macht das auch sehr viel Freude. 
Obwohl - wenn ich ehrlich bin, frage ich mich auch manchmal, ob es eine Mordkommission nicht auch getan hätte. Natürlich nur ein Scherz.
2. Krimis mit politischem Bezug verkaufen sich oft schwerer. War es schwierig, einen Verlag für die Veröffentlichung zu finden?
Ich weiß nicht, ob das stimmt. Es werden auch viel weniger davon geschrieben … 
Man muss ja nun nicht gerade Politikwissenschaften studiert haben, um meine Bücher zu lesen, im Gegenteil - aber das Thema Europa bringt natürlich zwangsläufig irgendwie die Politik ins Spiel. 
Und ich glaube, es ist für jeden Autor schwer, einen Verlag zu finden. Ich jedenfalls freue mich sehr über meinen und möchte ihn nicht missen.
3. Solveigh Lang, Ihre Agentin in OPERATION BLACKMAIL + BIEST, hat Cluster-Kopfschmerzen und einen außergewöhnlichen Geruchssinn. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Solveigh ist eine starke Frau, eine toughe Ermittlerin, die viel Talent für diesen Beruf mitbringt. 
Und sie ist ein Kontrollfreak. Aufgrund dieser Eigenschaften musste ihre große Schwäche zwangsläufig etwas sein, das sie nicht kontrollieren kann. Das sie jedes Mal erwischt wie eine Naturkatastrophe, daher die Cluster-Kopfschmerzen, die jederzeit und vollkommen plötzlich auftreten können. 
Der gesteigerte Geruchssinn ist eine Folge der Kopfschmerzen, oder ihr Grund (da streitet die Wissenschaft), jedenfalls hängen die beiden zusammen. Gewissermaßen Fluch und Segen zugleich.
4. Warum haben Ihre beiden Agenten-Thriller eine weibliche Hauptperson?
Warum eine weibliche Hauptperson? Vor der Entscheidung habe ich besagte Einheit, die ECSB, das "europäische FBI" konzipiert: Wie wäre so etwas aufgebaut? Wie würden sie arbeiten? 
Da es sie offensichtlich nicht gibt: Wie würden sie im Verborgenen die lokalen Behörden überzeugen, auf deren Kooperation sie bei jedem Fall angewiesen sind? Was glauben Sie: 
Wer würde es eher schaffen unsere allseits geliebten Tatort-Kommissare zur Zusammenarbeit zu bewegen: Solveigh Lang oder ihr Chef, ein blasierter Brite mit teuren aber furchtbar geschmacklosen Anzügen? 
Sehen Sie, das glaube ich auch. Im Übrigen halte ich Frauen für die besseren Ermittler ...
5. In BIEST geht es um ein Computervirus, das die Programme von verschiedenen europäischen Kernkraftwerken befällt und dort zu unvorstellbaren Schäden führt (ich möchte hier nicht zu viel verraten). Haben Sie Ängste, dass dieses Szenario Wirklichkeit werden könnte?
Erschreckt habe ich mich als ich mit meinem Plot zu den Experten gegangen bin und die gesagt haben: Klar geht das. Allerdings ist der Aufwand doch enorm. 
Sagen wir es so: Ich stehe nicht sorgenvoll auf, aber wenn ich an einem Kernkraftwerk vorbeifahre, wird mir trotzdem mulmig.

6. Wie sieht Ihre Recherchenarbeit aus? Wie gehen Sie vor?
Jeder Fall fängt für mich mit dem Verbrechen an. Zuerst konstruiere ich einen Plan mit Motiven und einer möglichen Durchführung, der schon möglichst perfekt sein sollte. Dafür recherchiere ich online und in entsprechender Fachliteratur. Das wäre beim Biest zum Beispiel alles, was mit Stuxnet zu tun hat, wofür man das einsetzen könnte usw. 
Dann suche ich mir möglichst die besten Experten, die ich zu dem Thema auftreiben kann und zeige ihnen den Plan. Anhand ihrer Einschätzungen wird alles nochmal modifiziert. Dann konstruiere ich den gesamten Handlungsstrang mit Orten, verwendeter Technik usw. Bevor ich anfange zu schreiben, suche ich in einer zweiten Runde Experten zu den Randthemen (beim Biest z.B. der israelische Geheimdienst, Vorgehen militärischer Spezialeinheiten, U-Boot-Technik …). 
Mit manchen rede ich vor dem Schreiben, mit anderen gehe ich halbfertige Texte durch, das hängt ein bisschen davon ab, wie das die Experten wünschen - die machen das schließlich alle freiwillig. Parallel zu alledem versuche ich, möglichst viele Orte, die im Buch vorkommen, zu besuchen. Wenn dann ein Rezensent schreibt: "er ist ein guter Beobachter. Wer schon einmal in Israel war, weiß, was ich meine", dann hat sich die Mühe gelohnt. Freue ich mich jetzt noch drüber ...
7. Wird es noch weitere Bücher mit der Agentin Solveigh Lang geben?
Ja, bestimmt. 
Und das ist das Schöne an einer Ermittlertruppe, für die es keine Grenzen gibt: Langweilig wird's garantiert nicht.

8. Welche/n Schriftsteller/in, Person der Zeitgeschichte oder fiktive Romanfigur würden Sie gerne mal treffen und was würden Sie sie/ihn fragen bzw. mit ihm/ihr besprechen?
Autor: Aaron Zorkin, Erfinder und Autor von "The West Wing": "Wie schwer fiel Ihnen als Autor das Ende der zweiten Staffel?"
Person der Zeitgeschichte: Barack Obama: "Was steht in der Akte? Sie wissen schon, in DER Akte?"
Romanfigur: Boone Daniels: "Gehen wir surfen?"
9. Hatten Sie schon einmal ein lustiges/skurriles Erlebnis bei einer Lesung oder mit einem/einer Ihrer Leser(innen)?
Wahnsinnig gefreut hat mich, dass in Frankfurt bei einer Lesung auf einmal Freunde von mir dastanden, die ich seit über fünfzehn Jahren nicht mehr gesehen hatte. 
Da kann man mal sehen, wozu Schreiben gut sein kann ...

10. Welches Buch, das Sie im letzten Jahr gelesen haben, hat Sie nachhaltig beeindruckt?
Don Winslow: Tage der Toten. Epic!
Vielen Dank an Jenk Saborowski für den kleinen Einblick in den Alltag eines Thriller-Autoren!

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