Samstag, 16. März 2013

Autoreninterview mit Andreas Winkelmann


Andreas Winkelmann war so nett, mir einige Fragen zu beantworten:

1. Wie und wann entstand die Idee zu deinem
     ersten Buch?

Leider kann ich gleich die erste Frage nicht beantworten. Ist mir ziemlich peinlich, aber ich will ja schließlich bei der Wahrheit bleiben. Meinen ersten komplett fertigen Roman habe ich mit Vierzehn oder Fünfzehn geschrieben. Jetzt bin ich 44, und ich kann mich kaum noch daran erinnern. Ich weiß noch so ungefähr, worum es darin ging, aber nicht mehr, wie und wann die Idee dazu entstanden ist. Das Manuskript ist mittlerweile verschwunden, aber ich bin mir sicher, wenn ich es heute lesen würde, ich würde mich in Grund und Boden schämen.


2. Warum schreibst du ausgerechnet Thriller?:


Die Frage ist dagegen leicht zu beantworten: Weil ich durch und durch böse bin. Ich bin ein Psychopath, der sich dazu entschieden hat, die Menschen in seiner Umgebung mit gruseligen Geschichten zu quälen.
Vielleicht aber auch nicht, und es ist einfach nur so, dass ich selbst schon immer sehr gern Thriller, Grusel und Horror gelesen, und damit den Grundstein für mein Genre schon recht früh gelegt habe. So mit sechs oder sieben Jahren, denke ich.
Tja, vielleicht ... Wer weiß das schon so genau.

3. War es schwierig, dein erstes Buch zu veröffentlichen?


Der Weg bis zur ersten Veröffentlichung war lang und steinig. Zehn Jahre habe ich im stillen Kämmerlein geschrieben, unbeachtet von der Welt, belächelt von Freunden und Bekannten. Nur meine Frau hat mich immer wieder ermutigt, wahrscheinlich weil ich ihr sonst in der Küche vor der Nase rumgestanden hätte. Absagen habe ich mehr als genug bekommen, aber die haben mich immer noch mehr angespornt. Wenn die mein Manuskript nicht wollen, habe ich gedacht, ist es einfach noch nicht gut genug, also schreib ein neues. Und das habe ich. Einige sogar. Sechs oder sieben fertige Geschichten, die nur zu Übungszwecken geschrieben wurden. Aber ich finde, so muss das sein. Kein Erfolg ohne harte Arbeit.


4. Wie sieht dein gewöhnlicher Tagesablauf aus?


Ich bin Frühaufsteher. Sobald es hell wird, gehe ich mit dem Hund raus. Das ist im Sommer früher als im Winter. Danach wird bis mittags geschrieben. Mal länger, mal kürzer, je nachdem, wie es läuft. Wichtig ist mir, jeden Tag zu schreiben. Zwischendurch ins Fitness-Studio, sonst leidet der Rücken vom langen Sitzen. Nach allerlei sonstiger Abwechslung, die das Familienleben so mit sich bringt, geht’s dann abends noch mal an den PC. Und dann kann es schon mal spät werden ...

 5. Wie entstand die Idee zu "Höllental"? Du schreibst auf deiner FB-Seite, dass du mit der
     Geschichte ein persönliches Erlebnis verbindest, was war das für ein Erlebnis?


Höllental beruht tatsächlich auf einem persönlichen Erlebnis. Ich bin leidenschaftlicher Bergsteiger. Schon seit Jahren klettere ich in den Alpen herum. Und da mich schlechtes Wetter nicht abhalten kann, stieg ich an jenem Tag bei Dauerregen auf die Alpspitze oberhalb von Garmisch. Im Abstieg, als ich selbst schon ziemlich erschöpft war, kam mir eine Gruppe entgegen. Drei Jungs, ein Mädchen. Das Mädchen war sichtlich fertig mit der Welt, aber die Jungs wollten unbedingt noch auf den Gipfel. Also haben sie mich gefragt, ob ich ihre Freundin mit ins Tal nehme. In den Bergen hilft man sich, ich habe sie also durch das Höllental runter begleitet. Aber ich fand das unglaublich leichtsinnig von den Jungs. Die kannten mich nicht, hatten nicht einmal nach meinem Namen gefragt. Was, wenn ich ein wirklich fieser Typ wäre? Ich hätte alles mit dem Mädchen machen können, ohne entdeckt zu werden. Tja, sie hat überlebt, und ich hatte einen Grundstein für die Geschichte.


6. Wie gehst du bei deinen Recherchen vor? Einer deiner Protagonisten in "Höllental" ist ein Mitglied
    der Bergrettung. Bist du für die Recherchen in die Alpen gefahren?


Ich bin dauernd in den Alpen und kenne jemanden von der Bergrettung persönlich. Den habe ich natürlich befragt. Und dann flossen ins Höllental meine eigenen Erfahrungen ein. Ich musste vor Jahren mal eine Bergrettung organisieren. Da hatte auf einem Gipfelgrat jemand einen epileptischen Anfall erlitten und ich war als einziger vor Ort. War aufregend. Mir selbst sind schwere Unfälle bisher erspart geblieben, und ich habe auch noch keinen tödlichen Unfall mit ansehen müssen. Darüber bin ich natürlich froh. Aber die Leute von der Bergrettung können Geschichten erzählen, dass es einem nur so graust. Ich habe Hochachtung vor den Bergrettern. Ehrenamtlich setzen die ihr Leben aufs Spiel, um andere Leben zu retten. Oft genug Menschen, die sich leichtsinnig selbst in Gefahr gebracht haben.


7. Welche/n Schriftsteller/in würdest du gerne einmal treffen und was würdest du sie/ihn fragen?

 Das ist einfach: Reinhold Messner. Er ist genau wie ich Schriftsteller und Bergsteiger, und ich bin mir sicher, wir würden uns prima unterhalten. Ich bewundere an ihm seine Entschlossenheit und würde ihn fragen, wie er es in scheinbar ausweglosen Situationen immer wieder geschafft hat, durchzuhalten. Diese Willenskraft beeindruckt mich.


8. Hattest du schon einmal ein außergewöhliches Erlebnis mit einem Fan?:


Sogar mit mehreren. Ich bin im September letzten Jahres mit einer Gruppe Leserinnern und Lesern auf den Brocken gestiegen. Das ist der höchste Berg Norddeutschlands. 1142 Meter hoch. Oben habe ich eine Lesung aus Wassermanns Zorn gehalten und bin danach mit der Gruppe wieder abgestiegen. Das war ein wirkliches tolles Erlebnis. Ich konnte mich sehr ausführlich mit meinen Lesern unterhalten. Wann hat man das schon mal.


9. Was liest du denn gerade?


Ich lese gerade „Der Kruzifix-Killer“ von Chris Carter, hat mir ein ganz lieber weiblicher Fan geschenkt. Sowie „Rockerkrieg“ ein Sachbuch über die Entstehung der Hells Angels und die Rockerkriminalität in Deutschland. Beides höchst interessant.


10. Dürfen wir etwas über dein aktuelles Projekt erfahren?

Über mein neues Projekt kann ich nur so viel verraten: Es ist das Spannendste, was ich je gemacht habe und fordert mich total. Mehr verrate ich aber noch nicht, ich bin ja ein Freund von Geheimniskrämereien und habe einen Mordsspaß daran, andere auf die Folter zu spannen.
Damit sind wir wieder beim Psychopathen und der Kreis schließt sich.
In diesem Sinne: Wachsam bleiben!

Wer mehr über Andreas Winkelmann wissen möchte, hier ist seine Seite: Homepage von Andreas Winkelmann

Vielen Dank, lieber Andreas, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten!
Wir bleiben auf jeden Fall wachsam!









Kommentare:

  1. Ein schönes Interview! Ich habe vor kurzem "Wassermanns Zorn" gelesen und war begeistert, und nächste Woche fange ich mit "Höllental" an. Sehr interessant, aus welcher Idee er die Geschichte entwickelt hat. ;)

    Liebe Gürße, Nabura

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  2. Vielen Dank für das Interview. Bisher kenne ich noch kein Buch von ihm, habe das "Höllental" aber schon einige Male liegen sehen. Wer weiß, vielleicht lese ich es ja wirklich mal. Auf meiner Wunschliste steht es zumindest schon mal drauf. :)

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  3. Sehr schön :-)
    Ich habe bis jetzt nur "Wassermanns Zorn" gelesen und war begeistert!!!!

    Danke für das Interview!

    LG Lena

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  4. Tolles Interview und ein wirklich sympatischer Autor! Ich habe noch keines seiner Bücher gelesen, werde das aber auf alle Fälle nachholen.

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  5. Sehr sympatischer Mann, ich habe schon alle Bücher von ihm gelesen und warte immer voller Ungeduld auf das nächste. zur Zeit lese ich gerade "Höllental".

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