Freitag, 15. März 2013

Rezension zu "das geraubte Leben des Waisen Jun Do" von Adam Johnson, Suhrkamp Verlag, zeitgenössische Literatur




Titel: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do
Autor: Adam Johnson
Verlag: Suhrkamp Verlag, Auflage 1. (11.3.2013)
Isbn Nr.  978-3518464250
Seitenzahl: 687 Seiten
Originaltitel: The Orphan Master`s Son
Preis: 22,95 Euro


Klappentext:"
Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus Frohe Zukunft, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des »Geliebten Führers« Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen.
Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben."
 

Über den Autor:
 Adam Johnson, geboren 1967 in South Dakota, lehrt in Stanford Creative Writing. 2002 erschienen die Short Storys Emporium, 2003 der Roman Parasites like us. Er hat in Magazinen publiziert und zahlreiche Preise und Stipendien erhalten. Für den vorliegenden Roman reiste Adam Johnson ins abgeschottete Nordkorea und recherchiert 3 Jahre lang.

Eigene Meinung:


Die Geschichte um den Waisen Jun Do ist erfunden.Jun Do gerät in wahnwitzige, erschreckende Situationen. Er versucht dabei zu überleben und erfindet dazu Geschichten, die mehr Wahrheit beinhalten, als die Realität, ist sie doch aufgebaut auf eine Lüge, die das ganze System beinhaltet. Die Bevölklerung lebt in einer immerwährenden Angst, ins Lager eingeliefert zu werden, verschwinden doch immer wieder Freunde, Verwandte und Kollegen. Freundschaft und Liebe gibt es in diesem System nicht. Die Frauen bekommen ihre Ehemänner zugewiesen. Das Volk hungert, während der geliebte Führer und seine Getreuen sich Waren aus dem verhassten Westen beschaffen. Dabei wird immer betont, wie schrecklich die USA und Japan sind. Die Menschen dort müssen ihre Arztkosten selber tragen. Das gipfelt in Hilfslieferungen, die Nordkorea angeblich für die hungernden Menschen in den USA plant.

Jun Do hat mehrere Male die Gelegenheit zu fliehen. Er bleibt jedoch. Weil er andere Menschen nicht in Gefahr bringen möchte und weil er sich selbst treu bleiben möchte, was gar nicht so einfach ist in diesem menschenverachtenden Regime.

Der Roman besteht aus zwei Erzählsträngen. In einem Erzählstrang lernen wir den Waisen Jun Do kennen, der immer von sich behauptet, kein Waise zu sein. Sein Vater wäre der Aufseher über das Waisenhaus, seine Mutter eine Sängerin.  Waisen sind in Nordkorea nicht gerne gesehen und werden zu den gefährlichsten Arbeiten herangezogen.

Ein zweiter Erzählstrang handelt von einem Vernehmungsbeamten, der die Vernehmung zu einer wissenschaftlichen Sache gemacht hat und Biografien von den durch ihn vernommenen Personen schreibt. Er wohnt bei seinen Eltern und betreut diese. Man bekommt den Eindruck, dass die Eltern Angst vor ihrem Sohn haben und kein normales Gespräch mit ihm führen können.
Durch die Begegnung mit Ga gerät die Welt des Vernehmungsbeamten ins Wanken und er sieht seine Welt mit anderen Augen.

In diesem Roman hat Adam Johnson einen unglaublich gut geschriebenen, intensiven, verstörenden, poetischen Liebes-Abenteuer-Spionagethriller geschaffen, der in Nordkorea spielt.

Adam Johnson schreibt unglaublich fesselnd, spannend und  poetisch. Seine Figuren sind sehr eigen. Der Autor hat die einzelnen Charaktere sehr gut herausgearbeitet. Jun Do ist ein sehr sympathischer Protagonist, der versucht zu überleben und dabei all das findet, was es in diesem System nicht geben dürfte, Treue, Vertrauen, Freundschaft und Liebe.

Dieser Roman bringt den Leser zum Nachdenken. Er weckt Interesse an Nordkorea. Ist es wirklich so, wie Adam Johnson es beschreibt,  oder übertreibt der Autor maßlos? Kann eine Gesellschaft so funktionieren, warum?

Ich habe versucht, Infos über Nordkorea zu bekommen, über das Internet ist es möglich. Ich habe Fotos gefunden und Berichte, die verstören und erahnen lassen, dass der Autor sich sehr nahe an der Realität bewegt mit seinem Roman.

Die Menschen in Nordkorea dürfen nicht mit Touristen reden. Nur die extra ausgebildeten Touristenführer dürfen das. In der Hauptstadt tragen alle Frauen denselben Lippenstift. Es sind keine behinderten Menschen zu sehen in der Hauptstadt. Nachts ist Nordkorea ist ein dunkler Fleck, nur die Hauptstadt wird beleuchtet.

5/5 Sterne für diesen Pageturner, der uns nach Nordkorea führt und den Leser noch sehr lange beschäftigt. 


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