Dienstag, 16. Juli 2013

Rezension zu "Verführung" von Tanja Kinkel, Knaur Taschenbuch, historischer Roman


Titel: Verführung 
Autorin: Tanja Kinkel
Isbn Nr. 13: 978-3426512876
Verlag: Knaur Taschenbuch
Seitenzahl: 478 Seiten, VÖ: 1.7.2013
Preis: 9,99 Euro

 Klappentext:
"Casanova begehrte sie - doch sie wollte selbst die Verführerin sein
Als kleines Mädchen erlebt Angiola Calori eine Sängerin auf der Bühne und will fortan nur eines: selbst dort stehen und singen. Doch die große Musik wird damals nicht für Frauen geschrieben, sondern für Kastraten. Einer der größten wird ihr Lehrer und Geliebter. Um ihn begleiten zu können, schlüpft sie selbst in die Rolle eines Kastraten. Noch als solcher verkleidet, begegnet sie 1744 Giacomo Casanova. zwei begnadete Verführer prallen aufeinander."
 

Über die Autorin:
 Mit dem Schreiben fing Tanja Kinkel mit 13 Jahren an. Heute ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen. Obwohl sie neben historischen Romanen, die von der Gründung Roms bis zum 2. Weltkrieg spielen, auch Thriller, Jugendbücher, Fantasy, ja Gegenwartsliteratur und Essays geschrieben hat, tauchen fast alle ihre Bücher auf den großen Bestsellerlisten auf. Wie der Spiegel schon 1998 dazu schrieb: so selbstverständlich wie Ebbe und Flut. Das liegt zum einen sicher daran, dass die promovierte Germanistin etwas zu all diesem Themenmischmasch zu sagen hat, als auch daran, dass  Reiselust, Humor, Romantik, Abenteuer und Informationhunger immer befriedigt werden wie auch die Überzeugung: ja, so kann es gewesen sein. Weitere Informationen unter: www.tanja-kinkel.de.

Eigene Meinung:

Tanja Kinkel erzählt den Lebensweg von Angiola Calori, die von der Musik, der Oper und dem Gesang so fasziniert ist, dass sie unbedingt an großen Opern singen möchte. Frauen dürfen nicht singen, die Frauenrollen werden von Kastratensängern übernommen. Angiola lernt einen großen Kastratensänger kennen und lieben. Sie flieht mit ihm und beginnt eine Ausbildung als Sängerin. Dazu muss sie in die Rolle eines Kastraten schlüpfen. Als Angiola Casanova begegnet, verliebt sie sich in ihn. Casanova ahnt, dass Angiola eine Frau ist.

Tanja Kinkel passt sich sprachlich der  Zeit an, in der die Geschichte spielt, Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie erzählt auf sprachlich sehr hohem Niveau. Insbesondere die Dialoge zwischen Angiola und Casanova sind erwähnenswert. Die beiden bieten sich unglaublich gute Wortgefechte. 

Tanja Kinkel teilt diesen Roman in 4  große Teile: Teil 1 Angiola, Teil 2 Bellino, Teil 3 La Calori,Teil 4 Finale. Wir erleben einzelne Erzählstränge aus der Sicht der Sopranistin Angiola Calori, dann wieder aus der Sicht von Casanova. Angiola und Casanova begegnen sich und sind beide voneinander fasziniert. Doch keiner der beiden ist bereit, sein Leben für den anderen aufzugeben. Angiola, die ihr Leben als Frau aus Liebe zur Musik aufgegeben hat und sich aus den Zwängen der Frauenrolle dieser Zeit befreit hat, stellt die Musik über alles.

Angiola erfährt in diesem Roman eine Entwicklung, von der kleinen Angiola, deren Mutter ein total anderes Leben für ihre Tochter vorgesehen hat, zum Kastraten Bellino, bis zur La Calori, die die Oper für die Frauenwelt zurückerobert und eine Vorreiterin ihrer Zeit ist. 

Casanova rückt sich mit mehr oder weniger erfundenen Geschichten ins Rampenlicht und fasziniert die Frauenwelt. Kein Rock ist vor ihm sicher. 

Ein Roman um große Gefühle, Erotik zur Zeit des Rokoko und Sinnlichkeit. Wir bekommen einen detailierten Einblick in das Leben der Menschen in dieser Zeit, in die Willkür und Dekadenz der Adeligen, dem schweren Alltag der kleinen Leute. Insbesondere die Problematik von Frauen und Kindern wird von Tanja Kinkel in diesem Roman herausgearbeitet. Angiola verstösst gegen die Gepflogenheiten dieser Zeit und führt ein selbstbestimmtes Leben, muss aber auf viele Dinge verzichten und lebt ständig in der Gefahr, entdeckt zu werden.


Laut dem Nachwort von Tanja Kinkel  war Angiola eine der berühmtesten Sängerinnen des Rokokos. Über ihre Jugend und den Beginn ihrer Karriere ist nichts bekannt. Auch von Casanova gibt es zwar viele Berichte, trotzdem liegt ein Teil seines Lebens im Dunkeln.

Tanja Kinkel hat hier sehr genau recherchiert. Das Resultat aus Recherchearbeit und Fantasie hat die Autorin zu einem  Roman um zwei interessante Figuren verwoben und uns dabei so nebenbei interessanten Geschichtsunterricht erteilt.

 4/5 Sterne für diesen Einblick in das Leben zweier interessanter, schillernder,   Menschen, der Sopranistin La Calori und Casanova, die ihrer Zeit voraus waren. 

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