Montag, 9. September 2013

Rezension zu "Schönesding" von Peter Boehm, Satire, eBook

Titel: Schönesding
Autor: Peter Boehm
Format: mobi
Dateigröße: 405 KB
Seitenzahl Printausgabe: 204 Seiten
Asin: B00FONSTEQ
Preis E-Buch: €3,90
Preis Printausgabe: €7,90


 Kurze Inhaltszusammenfassung:
"„Alle wollen die Welt besser machen, aber niemand interessanter. Ist doch komisch.“ Weil er Abstand gewinnen will zu seiner Freundin, geht ein junger Mann nach Berlin. Dort trifft er Felder. Der trägt stets eine schwarze Sonnenbrille, geht immer barfuß und hat einen Freund namens Hubsi, dessen Vokabular auf zwei Wörter zusammengeschrumpft ist: „Schönesding!“ und „Wachauf!“ Von Felder ist der junge Mann gleichzeitig fasziniert und abgestoßen, aber bald gerät er völlig in seinen Bann. Im Rückblick sagt er: „Felder wurde mein Svengali oder mein Jesus Christus oder doch mein Ekel Alfred? Scheiße, Mann, was weiß ich!“ Felder, Hubsi und der junge Mann gehen auf eine Reise, die nur in der Katastrophe enden kann... Schönesding! ist schwarze Komödie und bitter-süße Satire auf das Reich der Toten zwischen Kap Arkona und Oberstdorf, gleichzeitig aber auch Aufstand gegen die Lauheit des Lebens und trostspendender Begleitgesang für die, die noch zappeln, bevor sie über die Styx fahren."

 Über den Autor:

Peter Boehm war fast zehn Jahre lang Auslandskorrespondent der Berliner Tageszeitung, taz, in Nairobi, Taschkent und Los Angeles und hat für viele renommierte deutsch-sprachige Zeitungen wie die NZZ geschrieben und Features für das öffentlich-rechtliche Radio produziert. In Englisch hat er für den Londoner Independent geschrieben und den Christian Science Monitor.

Eigene Meinung:

Der Ich-Erzähler zieht nach Berlin um zu studieren und trifft dabei auf "Felder" und "Hubsi". Er ist von den beiden fasziniert. Felder möchte dem Erzähler zeigen, wie langweilig die "Heimspieler" sind. Die drei ziehen los um "die Welt interessanter zu machen". Felders Standardspruch ist "alle wollen die Welt besser machen, nur nicht interessanter.". Felder zeigt dem Ich-Erzähler aus seiner Perspektive Berlin. Er kritisiert u. a. das öffentlich-rechtliche Fernsehen, Dieter Bohlen und die Kochshows, findet es komisch, dass Menschen in Stadtvierteln von Berlin wohnen, in denen die Mieten viel höher sind, als in anderen Vierteln. Felder hinterfragt alles. Der Ich-Erzähler ist nur am Staunen. Die drei geraten in völlig skurrile Situationen.

In einem 2. Erzählstrang sitzt der Ich-Erzähler im Gefängnis. Er ist ein sehr genauer Beobachter, der uns das Leben im Knast detailliert wiedergibt. Er antwortet für Mitinsassen auf Kontaktanzeigen, wundert sich, warum so viele Frauen auf Knastis abfahren und stellt fest, dass man schnell heraus hat, was die Psychologen so von einem hören wollen.

Da die beiden Erzählstränge ständig wechseln, bleibt der Leser von der ersten Seite an gefesselt. Er möchte unbedingt herausfinden, warum der Erzähler denn im Gefängnis sitzt. Peter Boehm macht den Leser immer neugieriger,  indem er Hinweise auf das Ereignis, was zur Verhaftung des Erzählers führte, in die Geschichte einstreut. Natürlich möchten wir unbedingt wissen, was denn mit "Felder" und "Hubsi" passiert ist. Der aufmerksame Leser mag schon eine Vorahnung davon haben. 

Peter Boehms Geschichte ist herrlich schräg oder "kursiv", wie die drei Protagonisten es nennen. Der Autor spielt gekonnt mit der Sprache, sein Humor ist richtig schön schwarz und irgendwie ist mir "Felder" total sympathisch. Ich muss ihm zu seinen Erkenntnissen über die Menschen, Medien und Kommunikation - die natürlich etwas überzogen sind - leider recht geben. Die Dialoge sind frisch, frech und teilweise zum Brüllen komisch. Die Wortkreationen von "Felder" gefallen mir, z. B. das "Zaubernetz", wie er das Internet nennt.

Eine ungewöhnliche, spannende,  richtig schöne Satire mit skurrilen Situationen, die Seitenhiebe gegenüber den Medien, ihrem Programm und ihren Zuschauern erteilt. 5/5 Sterne meine absolute Leseempfehlung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

1. Lesung von Petra Durst-Benning im Cafèhaus Veit in Reutlingen

Am Mittwochabend war Premiere der Caféhauslesungen von Petra Durst-Benning im Caféhaus Veit in Reutlingen. Die Gäste der restlos ausver...