Sonntag, 17. November 2013

Autoreninterview mit Sebastian Fitzek

Kurz vor Erscheinen seines neuen Thrillers "Noah", durfte ich Sebastian Fitzek interviewen:

1.Von einer Idee bis zur Geschichte. Was passiert da alles bei dir und wie lange dauert das in etwa?

An einem Buch arbeite ich ungefähr ein Jahr, nicht eingerechnet die Zeit, die ich nachdenke bevor ich den ersten Satz schreibe. Für mein kommendes Werk "Noah" habe ich drei Jahre lang recherchiert und am Exposé gearbeitet, bevor ich mich an den Schreibtisch setzte. Natürlich nicht ununterbrochen, sondern immer in den Schreibpausen zu anderen Büchern. Insgesamt benötige ich für den ersten Entwurf sechs Monate an dem ich dann mindestens noch drei Monate feile.

 2.Du bist von Beruf Jurist, dieser Beruf scheint mir nicht so kreativ zu sein. Wie kam es dazu, dass du mit dem Schreiben begonnen hast?

Einspruch;) Jura ist sehr kreativ. Nicht ohne Grund sind sehr viele Schriftsteller Juristen, nehmen wir nur John Grisham oder Ferdinand von Schirach. Juristen müssen mit Worten überzeugen. Nur die Sprache, die man im Studium lernt, sollte man als Autor besser ablegen. Zum Schreiben kam ich über das Lesen. Ich liebe Thriller und wollte einfach mal ausprobieren, ob ich mir auch eine spannende Geschichte ausdenken kann.

Einspruch stattgegeben. Sebastian, du hast mich überzeugt, Juristen sind sehr kreativ :). 

3.Wie wichtig ist für dich Recherche? Wie gehst du dabei vor?

Recherche ist wichtig, sie liefert das reale Fundament einer fiktiven Geschichte. Aber die Geschichte hat immer Vorrang, weshalb ich zunächst versuche, einen spannenden Thriller zu schreiben und mich nicht zu sehr in Feinheiten zu verzetteln. Deshalb starte ich meistens mit einer groben Vorrecherche, dann schreibe ich den ersten Entwurf und schließlich gebe ich ihn Experten zu lesen mit denen ich mich dann persönlich treffe. Das ist aber von Buch zu Buch unterschiedlich. Beim Augensammler musste ich mich von Anfang an mit blinden und sehbehinderten Menschen sehr intensiv auseinandersetzen, hier hätte ich ohne deren Hilfe den Alltag einer Blinden niemals beschreiben können.

4.Deine Bücher werden regelmäßig Bestseller, egal ob sie von einem Serienmörder handeln, wie z. B.bei Augenjäger/Augensammler,  oder ob es mehr um den "leise schleichenden Albtraum", wie z. B. beim "Nachtwandler" geht. Hast du ein "Bestseller-Rezept"?

Nein. Das merkt man schon daran, dass meine Bücher sich deutlich unterscheiden. "Die Therapie" hat nichts mit "Abgeschnitten" und "Der Seelenbrecher" kaum etwas mit "Amokspiel" zu tun. Und "Noah" wird sich noch einmal ganz anders unterscheiden und kommt daher sogar in einem anderen Verlag heraus.

5. Wie sieht dein Tagesablauf aus?
Zum Glück gibt es den "typischen Tag" bei mir nicht. Manchmal schreibe ich 13 Stunden am Stück durch, manchmal ist der Tag mit E-Mails, Interviews, Recherchetreffen, Ortsbesichtigungen und anderen schönen Ereignissen zerstückelt. (Was ich genau mache kann man übrigens über twitter, Facebook und auf meiner Homepage verfolgen.) Ich treffe mich täglich mit völlig unterschiedlichen und interessanten Menschen. Journalisten, Experten, Filmproduzenten, die mit mir das Drehbuch für eine Verfilmung meiner Werke besprechen wollen, Lesern, etc. Nur eines hat in meinem Tag leider immer weniger Platz: die Zeit für meine Freunde.  

5.Social Media, FB, Homepage. Wie wichtig ist dir die Fan-Arbeit? 
Ich mag weder den Bergiff "Fan" noch "Fan-Arbeit". Für mich ist einfach der Kontakt zu Lesern wichtig, so wie für einen Musiker die direkte Resonanz des Publikums während der Auftritte.

6. Hattest du schon einmal ein witziges/skurriles Erlebnis mit einem Fan bei einer Lesung? Zahlreiche. Es gibt Leser die sich Zitate aus meinen Büchern auf ihre Haut tätowieren ließen. Zuletzt durfte ich einer Krankenschwester ein Autogramm auf einen Latex-OP-Handschuh geben mit dem sie zur Lesung gekommen war.

7.In welchem Genre können wir kein Buch von dir erwarten?
Kochratgeber.

8 .In "Die Therapie" geht es um ein Kind, das in der Arztpraxis verschwindet. Alle behaupten, das Kind wäre nie da gewesen. Wie würdest du reagieren, wenn deine Tochter bei einem Arztbesuch verschwinden würde? 
Mein gewohntes Leben wäre von diesem Moment an zu Ende und ich würde erst wieder Ruhe geben, bis ich sie gefunden hätte

 9."Abgeschnitten" hast du zusammen mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos verfasst. Werden wir noch weitere Bücher von euch beiden zusammen lesen können?
Da wir mittlerweile sehr gut befreundet sind spricht da überhaupt nichts dagegen. Wir müssen nur wieder eine Idee finden, die uns beide so sehr begeistert wie die für "Abgeschnitten".

10.Hast du einen Schriftsteller/in als Vorbild?
Unzählige. Ich lese für mein Leben gerne Thriller. Autoren wie Thomas Harris, Edgar Allen Poe, Stephen King, Harlan Coben, Bret Easton Ellis und viele, viele mehr haben mich beeinflusst und tun das auch heute noch. Aktuell lese ich Andreas Eschbach, Michael Robotham aber auch andere Autoren anderer Genre wie zum Beispiel Jojo Moyes, Tom Wolf, etc.

11."Das Kind" kam im letzten Jahr ins Kino und ist jetzt als DVD erhältlich. Werden wir noch mehr Verfilmungen von deinen Büchern sehen können?
Derzeit sind drei meiner Bücher in "Arbeit", aber da die Umsetzung so teuer ist kann es in Zeiten der Finanzkrise noch etwas dauern bis etwas zu sehen ist.

12.Warst du oft am Set und hat dir die Arbeit dort Spaß gemacht?
Ich musste dort zum Glück ja nicht arbeiten, durfte zusehen und das Catering testen. Ja, das hat großen Spaß gemacht.;)

13.Was liest du denn gerade? 
Die "Tribute von Panem", lag bei meiner Frau auf dem Nachttisch und ich hatte gerade den neuen Stephen King beendet und noch kein neues Buch im Haus. Ich bin sehr positiv überrascht, da das eigentlich gar nicht mein Genre ist.

14.Verrätst du uns etwas über dein aktuelles Projekt oder ist das noch streng geheim? 
Gerne. Am 20. Dezember erscheint "Noah", ein Thriller, bei dem ein Obdachloser ohne Gedächtnis durch das winterliche Berlin irrt. Die Stadt ist ihm fremd, er weiß nicht, wer die Leute sind, mit denen er umherzieht, und er hat keine Erinnerung daran, woher die Wunde stammt, die langsam in seiner Schulter verheilt. Nach und nach muss Noah feststellen, dass er die Hauptrolle in einem Schreckensszenario spielt, an dem jeder von uns beteiligt ist. "Noah" wird mein bislang "größter" Thriller. Einmal, weil er fast doppelt so lang ist wie die Vorgänger, und weil er erstmals nicht ausschließlich in Berlin sondern auf der gesamten Welt spielt. Und dann geht es um ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und bestimmt für Diskussionen sorgen wird.

Vielen Dank, lieber Sebastian,  und weiterhin viel Erfolg!

"Noah" könnt ihr schon vorbestellen: 

Kommentare:

  1. Sehr schönes Interview !! Danke und liebe Grüße Annette

    AntwortenLöschen
  2. Spannend, spannend. Ich habe das große Glück "NOAH" vorab lesen zu düfen :)
    Danke für das Interview - bei der letzten Frage hätte ich mir einen Kommentar zum kommenden eventuell tatsächlich noch streng geheimen Projekt gewünscht .. oder die Aussage, dass er sich jetzt erst noch auf Inspirationssuche begibt.
    Trotzdem sehr interessant.
    LG Jimmy

    AntwortenLöschen

1. Lesung von Petra Durst-Benning im Cafèhaus Veit in Reutlingen

Am Mittwochabend war Premiere der Caféhauslesungen von Petra Durst-Benning im Caféhaus Veit in Reutlingen. Die Gäste der restlos ausver...