Donnerstag, 6. Februar 2014

Interview mit dem Horror-Autor Lutz C. Frey

Lutz C. Frey, der Horror-Romane schreibt, war heute mein Interviewpartner. Entstanden ist ein richtig gutes Interview. Lest selbst: 
1. Wie kamst du zum Schreiben?
Über das Lesen. Und dann kam irgendwann ein Gedanke der Art: »Wäre es nicht spannend, eine Story zu erzählen, in der dieses und jenes passiert?« Also setzte ich mich hin und schrieb diese Story. Und dann noch eine. Und so weiter.

2. Was fasziniert dich am Schreiben von Horrorthrillern?
Das übersinnliche Element bietet dir als Autor eine interessante Spielwiese, auf der eine Menge passieren kann. Außerdem mag ich wilde Spekulationen. Was wäre, wenn...?

Die eigentliche Story findet aber eigentlich immer abseits der Monster und Schrecknisse statt, nämlich zwischen den Menschen. Jeder Autor ist im Grunde ein kleiner Sadist, ein bisschen wie ein Kind, dass mit dem Brennpunkt seiner Lupe Ameisen quält. Er jagt seine Protagonisten durch immer schlimmere Situationen, aus denen sie erst ganz zum Schluss einen Ausweg finden, oder auch nicht - und das Übersinnliche bietet eine Menge Potenzial für wirklich üble Situationen, in die die Helden geraten können.

Das Paranormale bietet andererseits auch noch einen gewissen Trost, ein »Vielleicht ist da noch etwas? Etwas anderes außer dem alltäglichen, persönlichen Horror und der großen Leere danach?«. Ich finde das ist ein Versprechen, dass es sich zu suchen lohnt, ein ganzes Leben lang. Und Horror, speziell die Art, die ich mag, honoriert sehr oft auch das Gute im Menschen, das Moralische, Ehrliche, Echte. In gewisser Weise ist Horror heute oftmals sogar tröstlicher als mancher Gesellschaftsroman oder ein paar Minuten Nachrichten. Das wiederum könnte einem durchaus zu denken geben ...

3. Wie ist die Idee zu Draakk entstanden?
Tatsächlich aus einem ganz bestimmten Bild, dass mich nicht mehr los ließ, und das ich während einer ziemlich langweiligen Zugfahrt hatte. In diesem Bild war es Herbst, und paar Menschen war aus irgendeinem Grund ziemlich am Ende bzw. auf der Flucht. Vor was, und wieso, wusste ich damals noch nicht. Das herauszufinden, hat ungefähr ein Jahr gedauert. Und aus der Story in meinem Kopf ein Buch zu machen, dauerte nochmal anderthalb Jahre. Inzwischen habe ich etwas mehr Routine. Jedenfalls rede ich mir das gern ein.

4. Hast du eine bestimmte Vorstellung von deinen Figuren oder führen die während deiner Schreibphase ein Eigenleben?
Ja und nein, ich bin kein reiner Pantser, also einer, der einfach losschreibt. Ich lasse den Figuren Zeit, sich zu entwickeln, bevor ich daran gehe, die Geschichte aufzuschreiben. Die gehen also ins Geschehen mit einer umfangreichen Vorgeschichte, Neigungen und ich habe oft auch recht genaue Vorstellungen von ihrem Aussehen, ihren Eigenheiten und so weiter. Ich will ja schließlich wissen, mit wem ich es zu tun habe, bevor ich mich ein paar Monate mit jemandem auf eine abenteuerliche Reise in die Finsternis begebe. Außerdem klaue ich manchmal schamlos einige Charakterzüge bei meinen Freunden, bestimmte Ticks oder Angewohnheiten.

5. Hast du eine bestimmte Schreibzeit?
Ja, ich schreibe meist vormittags, etwa zwei bis drei Stunden.

6. Angenommen, du bekommst das Angebot, dass eines deiner Bücher verfilmt werden soll. Welches würdest du wählen und warum?
Von denen, die schon veröffentlicht sind, definitiv »Draakk«. Die Jake Sloburn-Stories sind ja Fortsetzungsromane, das wäre wohl ein wenig schwierig. Obwohl kürzlich eine Verfilmung der »Odd Thomas«-Reihe von Dean Koontz rausgekommen ist, auf die ich sehr gespannt bin. Und »Nest« ist wohl außerdem ein wenig zu anstößig fürs Kino. Wenn sie da die schlüpfrigen Szenen rausschneiden, wird's ein Kurzfilm.

7. Welchen berühmten Schriftsteller/in würdest du gerne einmal treffen und was würdest du sie/ihn fragen?
Das dürfte die wenigsten überraschen: R.A. Wilson (leider tot), Neil Gaiman, Stephen King, Dean Koontz, Clive Barker, Lee Child, Arturo Pérez-Reverte Gutiérrez, J.K. Rowling, Jojo Moyes und überhaupt jeden und jede, von dem ich mindestens ein Buch zu Ende gelesen habe. Jede(r) auf den das zutrifft, ist mein Held und Vorbild, oder doch zumindest eine Inspiration!
Stephen King würde ich jedoch auf jeden Fall fragen, wo er seine Ideen herbekommt, einfach nur um ihn zu ärgern, weil ich weiß, dass ihn diese sinnlose Frage nervt. Nein, im Ernst, ich würde sie wohl nichts Spezielles fragen, sondern einfach nur in Ruhe ein Bier trinken gehen und über was anderes als Bücher reden. Alles, was ich zu diesem Thema von einem Autor wissen will, erfahre ich doch, indem ich seine Geschichten lese.

8. Hattest du schon einmal ein witziges Erlebnis mit einem Fan?
So im Sinne von »Kannst du das Buch bitte mit 'Für Ebay' signieren?« Nein. Aber ich hatte schon einige wirklich tolle Erlebnisse mit Fans, jede einzelne E-Mail und jeder Brief ist so eins! Manchmal gucke ich dann einfach nur eine Weile verständnislos auf den Bildschirm oder aufs Papier und denke: »Holy Fuck, da hat sich jemand hingesetzt, um dir eine Seite lang zu schreiben, wie toll sie oder er dein Buch findet!«. Das sind für mich Momente großer Dankbarkeit.

9. Kannst du dir vorstellen,ein Buch in einem anderen Genre zu veröffentlichen? Welches Genre geht gar nicht und warum?
Ja, absolut. Soll ich dir mal ein Geheimnis verraten? Für mich ist das wie mit Musik, es gibt nur zwei Arten: Gute und schlechte. Ich bin der Meinung, bei guten Geschichten geht es immer um spannende Dinge zwischen »echten« Menschen, und das kann in einer Arzt-Roman-Lovestory genauso der Fall sein wie im abgedrehtesten Science-Fiction-Roman. Die Frage ist doch, was liest du da raus und wie bereichert es dich, ganz persönlich?

Es gibt allerdings etwas, das ich mir überhaupt nicht zutraue: Gedichte. Ich habe einen Heidenrespekt vor Leuten, die das richtig gut können und weiß, ich zähle nicht zu ihnen.

10. Bleibt neben dem Schreiben Zeit für weitere Leidenschaften?
Aber sicher doch. Diejenige weiß schon, wer gemeint ist und ich bin sehr froh, dass das Wort »Leidenschaft« hier tatsächlich ein Zutreffendes ist. Außerdem spiele ich in mehreren Bands, mache überhaupt recht viel mit Musik. Und ich schaue Filme. Viel zu viele.

11. Welches Buch liest du denn gerade?
Das sind immer mehrere, lass mich mal nachschauen. Also, da haben wir: »The Keep« von F. Paul Wilson, »Lifeforce« von Colin, äh ebenfalls, Wilson. Seltsamer Zufall, hmm. Außerdem bin ich in den letzten Kapiteln von Dr. Sleep und dem zweiten Harry Potter. Ich habe die »Horrorlegionen« angefangen (Danke, Carmen!) und blättere hin und wieder durch ein paar Bücher über Psychologie, Geschichte und sowas. Gut für die Allgemeinbildung. Ich habe eigentlich überall,wo ich bin, ein Buch dabei. Und ja, auch auf dem Klo.

12. Magst du uns neugierigen Lesern etwas über dein neuestes Projekt erzählen?
Na klar, gern, obwohl ich nicht weiß, was davon wann erscheinen wird. Soweit sind wir noch lange nicht, Draakk ist ja gerade mal einen Monat auf dem Markt. Ich puzzle gerade an einem Plot für eine Dystopie herum (Und nein, es wird nicht um Zombies gehen, ich kann mit den Viechern einfach nix anfangen, sorry!), in der sich ein stummer, seltsamer Junge und ein fremdes Mädchen in einer ausgesprochen feindseligen Umgebung behaupten müssen. Das Ganze hat sich inzwischen zu einem recht vielschichtigem Handlungs-Knäuel entwickelt, das ich in den nächsten Wochen erst entwirren muss. Wenn ich Glück habe, wird aber eine tolle Geschichte draus!

Mit einem befreundeten Autor arbeite ich darüber hinaus an einem anderen Manuskript. Man könnte vielleicht »Verschwörungsthriller« dazu sagen, und wer »Draakk« gelesen hat, weiß, dass ich dazu auch eine gewissen Affinität verspüre. Deshalb war ich sofort Feuer und Flamme für die Story des Kollegen. Es gibt noch jede Menge weiterer Ideen, aber die müssen es erst noch aus der Schublade auf meinen Schreibtisch schaffen.

Vielen Dank. Ich mag Dystopien sehr. Ich freue mich auf deine Dystopie und wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinen Büchern. 

Bitte sehr, Biggi, es war mir ein Vergnügen! Alles Gute noch für dich und deine Bibliothek und vielleicht bis bald mal wieder, es würde mich freuen.

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