Montag, 22. September 2014

Autoreninterview mit Sarah Wedler und Nadine d'Arachart

    Bisher hat mir jedes Buch von Nadine d'Arachart und Sarah Wedler richtig gut gefallen. Der Thriller "Nebelflut" hat sogar mein Sohnemann verschlungen (der liest nicht wirklich viel),  "Abgründe" spielt zwar in Amerika, ist aber genauso gut, wie "Nebelflut".  Auch ihre Dystopie "Die Niemandsland-Trilogie" habe ich verschlungen.
     Da musste ich die beiden sympathischen Autorinnen natürlich um ein Interview bitten. Hier meine Fragen: 

    1. Wie seid ihr zum Schreiben gekommen?

Nadine: Das war so: Wir haben, als wir 12 waren, beide den Fantasyroman „Drachenfeuer“ von Wolfgang Hohlbein gelesen. Wir mochten die Geschichte und die Welt, die Hohlbein darin kreiert hat, so sehr, dass wir richtig traurig waren, als es vorbei war. Also haben wir beschlossen, dass wir das Buch selber weiter schreiben wollen. Daraus wurden dann 30 handschriftliche Seiten „Fanfiction“ , die wir ihm auf einer Lesung überreicht haben. Und danach hatten wir dann Spaß am Schreiben gefunden und haben einfach weitergemacht.


  1. Es ist bestimmt schwierig, ein Buch zu zweit zu schreiben, oder? Wie geht ihr da vor?

Sarah: Das kommt ganz darauf an, was wir gerade schreiben. Bei Drehbüchern z.B. ist es recht leicht, da teilt man einfach die Rollen auf. Bei Kurzgeschichten hingegen tauschen wir wirklich nach jedem Abschnitt. Und bei Romanen machen wir es so, dass wir zunächst gemeinsam die Handlung aufstellen. Dann teilen wir die Kapitel oder Figuren unter uns auf.

Nadine: Dann fangen wir beide an zu schreiben und überarbeiten schließlich die Kapitel der jeweils anderen. Dadurch hat sich bei uns beiden ein ziemlich ähnlicher Stil entwickelt – bisher zumindest hat noch niemand einen Bruch gefunden ;-)


3. Ihr schreibt Thriller, die in verschiedenen Ländern spielen, ihr habt gerade eine Dystopie als Trilogie herausgebracht. Woher nehmt ihr eure ganzen Ideen? Nehmt ihr euch vor, "Jetzt schreiben wir einen Thriller" oder entwickelt sich eine Story zum Thriller oder zur Dystopie?

Sarah: Also, eigentlich ist es, sobald wir eine Idee haben, schon klar, zu welchem Genre man da was schreiben könnte. Ideen für Thriller haben ja meistens gleich etwas mit Morden zu tun. Was unsere Dystopie angeht, war die Ideenfindung ganz lustig: Nadine hat eine Fantasygeschichte geträumt, die wir uns einfach mal sicherheitshalber notiert haben. Kurz darauf kam dann die Anfrage von Carlsen Im.Press, ob wir uns vorstellen könnten, etwas im fantastischen Bereich zu schreiben. Und da hatten wir die Idee ja dann schon auf Lager :-) Mittlerweile haben wir aber auch schon Ideen für weitere Fantasygeschichten … Gerade für dieses Genre sind bestimmte Orte, Bilder oder auch Lieder sehr inspirierend.

4. Was würdet ihr Autoren, die ihr erstes Buch schreiben, unbedingt raten?

Nadine: Fürs Schreiben selbst würden wir eigentlich immer dazu raten, sich vor dem Anfangen einen ungefähren Plot aufzustellen – man sollte wissen, wo die Geschichte hinführen soll, damit man sich nicht verzettelt.

Sarah: Und für die Verlagssuche ist es immer gut, an Schreibwettbewerben teilzunehmen. Oft sitzen Verlagsmitarbeiter in den Jurys, die über eine gute Kurzgeschichte auf neue Autoren aufmerksam werden.

5. Habt ihr bei einer Lesung schon etwas witziges/skurilles erlebt?

Nadine: Hm, schwere Frage ;-) Aber ein Erlebnis fällt uns ein: Einmal waren wir auf einer Gemeinschaftslesung, die für 20 Uhr angesetzt war und auf der ca. 8 Autoren je 10 Minuten lesen sollten. Als wir kamen, waren schon alle recht angeheitert und das ging dann den ganzen Abend so weiter. Die 10 Minuten waren schnell vergessen und als wir gegen halb eins dran waren, waren alle volltrunken. Die Lesung endete dann gegen 2 Uhr nachts und war damit ein echter Marathon.

6. Welche/n Schriftsteller/in würdet ihr ganz gerne einmal treffen und was würdet ihr sie/ihn fragen?

Sarah: Wir würden natürlich gerne mal Wolfgang Hohlbein treffen und ihn fragen, warum er sich wegen unserer Fortsetzung seines Romans nie zurückgemeldet hat ;-)

Nadine: Ansonsten wäre es spannend, mal Dean Koontz zu treffen, denn von ihm stammt unser gemeinsames Lieblingsbuch „Das Versteck“. Wir würden ihn fragen, wie er es schafft, seine Figuren so lebensecht wirken zu lassen … und wie es ihm gelingt, immer so eine gruselige Atmosphäre zu schaffen.

7. Wie wichtig ist die Recherche? Wie geht ihr dabei vor?

Nadine: Recherche ist extrem wichtig und dauert auch immer recht lange. Wir machen es so, dass wir das Buch plotten und dann sehen, welche Themenbereiche eine Rolle spielen werden, von denen wir nicht so viel Ahnung haben. Dann durchsuchen wir erst mal grob das Netz oder holen uns Bücher aus der Unibibliothek. Wenn wir einen Ort besser kennenlernen müssen, versuchen wir, hinzufahren. Für einen unserer Krimis durften wir die Rechtsmedizin in Essen besuchen, wo uns einige Präparate gezeigt wurden und wo wir auch über ein paar „Tatort-Irrtümer“ aufgeklärt worden sind. Das war extrem spannend.

8. In welchem Genre können wir kein Buch von euch erwarten?

Sarah: Wir tun uns mit allem schwer, was lustig ist! Wir bewundern auch Autoren, die lustig schreiben können – das gelingt uns einfach nicht. Auch mit reinen Liebesromanen würden wir uns wahrscheinlich schwer tun und es würde am Ende doch irgendwie ein Krimi daraus werden!

9. Welches Buch lest ihr gerade?

Nadine: Ich lese im Moment „Die Insel“ von Richard Laymon und „Warte bis du schläfst“ von Mary Higgins Clark – je nach Stimmung mal das eine, mal das andere.

Sarah: Ich lese ebenfalls was von Mary Higgins Clark, und zwar „Schrei in der Nacht“, außerdem „Justine“ von Marquis de Sade. Das eine lese ich als Druckbuch, das andere als E-Book, kommt also immer drauf an, was ich gerade zur Hand habe.

10. Wollt ihr uns schon etwas über euer nächstes Projekt verraten?

Nadine: Im Moment arbeiten wir eigentlich an mehrere Projekten parallel. Eines davon ist ein Buch, das endlich mal in unserer Region, dem Ruhrgebiet, spielen soll. Es geht darin um Lobotomien – Gehirnoperationen, die in den 50ern verbreitet waren und die der Killer in unserem Roman wieder „ausgräbt“, um seine Opfer damit zu quälen. Projekt Nummer zwei ist ein weiterer Thriller, bisher aber noch eine grobe Idee. Nur so viel: Es geht zurück nach London, diesmal aber, anders als in „Watcher“, in das London von heute :-)

Vielen Dank, liebe Sarah und liebe Nadine, das ihr euch Zeit für meine Fragen genommen habt. Ich wünsche euch weiterhin ganz viel Spaß und Erfolg!

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