Mittwoch, 16. November 2016

Nele Neuhaus im Gespräch mit Wolfgang Niess vom SWR bei Osiander am 15.11.16





Gestern Abend war die Krimiautorin Nele Neuhaus in der Buchhandlung Osiander im Gespräch mit Wolfgang Niess vom SWR. Wenn schon  mal eine bekannte deutsche Krimiautorin nach Reutlingen kommt, muss ich da natürlich hingehen. So dachten viele und die Veranstaltung war restlos ausverkauft.

Nele Neuhaus stellte ihr neues Buch vor und las uns den Prolog, sowie einige spannende Szenen vor, so dass ich total Lust darauf bekommen habe, "Im Wald" demnächst zu lesen.

Die Autorin erzählte viele Anekdoten, wie sie z. b. 45.000 Bücher selber herausgebracht und über die Fleischfabrik ihres Mannes vermarktet hat. Viele Leser wunderten sich, dass ihr Buch nicht in Buchhandlungen zu bekommen war. Sie ermunterte ihre Leser in den Buchhandlungen nachzufragen und bekam dann auch prompt Anrufe von Buchhändlern.

Die Krimiautorin ist berühmt für ihre Recherchen und für reelle Schauplätze in ihren Büchern. Sie erzählte auch hierzu eine Anekdote. In ihrem ersten Roman spielte ein bestimmtes Haus eine Rolle. Der Besitzer des Hauses kam bei einer Lesung auf sie zu und unterstellte ihr, dass sie nicht sehr gut recherchiert hätte, sein Haus hätte keinen solchen Vorgarten. Sie wollte dem erbosten Mann ein Buch schenken, er wollte keines, weil er schon drei davon von Bekannten geschenkt bekommen hätte. Seitdem schaut sie sich ihre Schauplätze genau an und recherchiert sehr gut. So hat sie an einem nebeligen Abend die Rechtsmedizin in Frankfurt besucht und wollte dort nachfragen, wie eine Leiche bei 27 Grad nach einem Tag aussieht. Der Rechtsmediziner meinte, da sieht man nicht mehr sehr viel und er wollte nachschauen, ob er eine solche Leiche gerade da hätte. Nele wurde es angst und bange. Er hatte dann wohl zu ihrem Glück keine da. Mit diesem Rechtsmediziner hat sie heute noch Kontakt, allerdings hat er sich schon beschwert, dass sie ihn kaum mehr braucht. Sie hat von ihm so viele Fachbücher bekommen, dass sie Stoff für viele weitere Krimis hat (es gibt den Pschyrembel wohl auch für Rechtsmediziner).

Die Autorin hat bereits vor ihrer Schulzeit angefangen, Geschichten zu schreiben. Ihr erster Roman hat bis zur Fertigstellung 9 Jahre gedauert, sie hat das Schreiben als Hobby betrachtet. Ihr Ex-Mann hatte für ihr Hobby gar kein Verständnis. Nele berichtete, dass das Schreiben 60% Handwerk ist. Während einer Schreibphase kann sie schon 10 - 12 Stunden am Computer verbringen. Da braucht die Familie viel Verständnis. "Im Wald" hat ca. 9 Monate Schreibarbeit gebraucht. Ihre Testleser kamen nicht auf den Mörder, der nicht wie in anderen Krimis plötzlich aus dem Nichts auftaucht, sondern schon ziemlich früh in der Geschichte erscheint.

Ihre Bücher wurden bereits in 34 Sprachen übersetzt und ein Buch befand sich in Korea auf der Bestsellerliste. Sie meinte, dass es eben Eifersucht, Gier, Hass, Rachegelüste, etc. auf der ganzen Welt gibt, nicht nur im Taunus.
Ermittler in ihren Büchern, die ihr irgendwann auf den Keks gehen, schickt sie gerne für 7-8 Jahre ins Gefängnis. Die können dann geläutert wieder in einer Geschichte erscheinen oder auch auf Rache sinnen. Ihr neuer Ermittler, der Pia und Oliver zur Seite steht, nervt sie manchmal auch, weil er so ein Klugscheißer ist und alles genau wissen möchte.

Sie ist dank ihrer Tiere trotz des Erfolges auf dem Boden geblieben. Ställe ausmisten und mit dem Hund spazieren gehen, erdet eben.

Die Autorin hat viel von sich erzählt. Ihre Kinderlosigkeit stellt für sie kein Problem mehr dar. Angesichts der heutigen weltpolitischen Lage ist sie sogar froh, dass sie sich nicht um Kinder sorgen muss. Ihre Tiere leben nicht so lange, meinte sie. Ungerechtigkeiten kann sie gar nicht leiden.Sie machte darauf aufmerksam, dass ihr Ex-Mann für eine Adoption in unserem Land schon zu alt war, der Politiker Gerhard Schröder -  im selben Alter - jedoch problemlos ein Kind adoptieren konnte.

2007 hat sie privat wieder bei Null angefangen. Sie hat die Villa ihres Ex-Mannes mit einem Koffer, einem Computer und ihrem Hund verlassen und ist erst einmal eine kleine Wohnung, die mit den Gartenmöbeln ihrer Eltern ausgestattet war, gezogen. So ein neuer Anfang birgt viele Möglichkeiten. Auch ihr Aufenthalt in der Herzklinik 2011, wegen ihrer Erkrankung an der Herzklappe und ein Aortenaneurysma hat sie ihr Leben neu überdenken lassen.

Der Abend war leider viel zu schnell zu Ende. Es hat Spaß gemacht, dieser sympathischen Autorin zuzuhören.

Vor und nach dem Gespräch konnte man Bücher kaufen und von der sympathischen Autorin signieren lassen. Ich habe natürlich auch Buch gekauft und es signieren lassen.



 Der Fuchs aus "Im Wald" war auch dabei. 

1 Kommentar:

  1. Sehr schöner Bericht.. So viel Privates hat Nele in Köln gar nicht erzählt.. Aber gut, dass ich es jetzt bei Dir lesen konnte.. L.G. Annette

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